Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 28. für das Schlujahr 1904-1905 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3122061-3122100--4565-3125439- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
10 Die Handschriften. weise ist indes die Erhaltung so vieler Schriftstücke aus den genannten Jahren nur einem gütigen Geschick zu verdanken. Das Auffallendste in dieser Tabelle ist jedoch das, was sie nicht enthält: die Jahre 1609—1638, also volle drei Jahrzehnte aus der Blüte der Lebensjahre unseres Autors sind vielleicht nur durch ein einziges Schriftstück (Nr. 156) vertreten. Mit anderen Worten heisst dies soviel, Leo habe von seinem 38-ten bis zu seinem 68-ten Lebensjahre seine Schriftensammlung etwa mit einer einzigen Nummer bereichert. Selbstverständlich ist eine solche Annahme undenkbar, und diese grosse Lücke zeigt vielmehr, dass die bisher bekannten zwei Kodiees von Leos Schriftstücken nur einen Bruchteil, und zwar einen sehr geringen, der ehemaligen Sammlung enthalten. Es ist auch nicht wahrscheinlich, dass die letzten acht Jahre seines Lebens, aus denen ganz sicher kem einziges Stück erhalten ist, in dieser Beziehung ganz unfruchtbar gewesen wären, denn seine Schreiblust war auch damals nicht geschwunden, wie die Tatsache zeigt, dass er seine Autobiographie noch in den letzten Wochen seines Daseins weitergeführt hat. Doch wollen wir die Untersuchung in dieser Richtung nicht weiter fortsetzen und konstatieren nur noch das sichere Resultat, dass der weitaus grössere Teil von Leos Privatskripturen verloren gegangen ist. Zu ihrer Verzettelung, mithin zu ihrem Untergänge hat Leo selber beigetragen, indem er seine eigenen Schriften, hebräische und italienische, teils Verwandten, teils Freunden letztwillig vermachte (Autobiographie in Corriere Isr. III 882). In Venedig, dem damaligen Emporium des Welthandels, wurde mit allem Handel getrieben, nicht zuletzt mit Büchern und Handschriften. Der Sitz des jüdischen Buchdruckes und Buchhandeis war fast ausschliesslich Venedig, das mit allen von Juden .bewohnten Ländern in Verbindung gestanden hat. Erst in jüngster Zeit ist der Briefwechsel zwischen dem venezianisehen Rabbiner Jakob Aboab, einem späteren Nachfolger Modenas, und dem deutschen Hebraisten Christian Theophil Unger von Löwenstein ans Licht gezogen worden, in welchem es sich hauptsächlich um den Ankauf von hebräischen