Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 25. für das Schlujahr 1901-1902 (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- – (sequence 123)
- Language
- German
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II. Die innere Gestalt der althebräischen Bücher, 1. Kolumnen und Ränder. In Rollen kann man parallel den Langseiten schreiben, so dass die einzelne Zeile die Länge der Rolle hat. Die neue Zeile begann in der Regel dort, wo die frühere, möglich war aber auch, dass die neue Zeile vom Ende zum Anfang lief, was sich dann in derselben Weise wiederholte, bis die Rolle vollgeschrieben war. Ferner kann entweder eine Seite oder beide Seiten der Rolle als Schreibfläche dienen. Die letzteren hiessen Opistögraphe. Opistographe sind bei den Juden in Privatskripturen vorgekommen, aber nicht bei Büchern. Dies folgt aus Ezechiel 2, 10, wo der Umstand, dass die Rolle auf beiden Seiten beschrieben ist, als etwas Auffallendes bezeichnet wird; ferner aus der Betonung, dass die Steintafeln zu beiden Seiten beschrieben waren (Exodus 32, 15). Opistögraphe erschienen als Meisterwerke der Schreibkunst, die menschliche Schreibkünstler, sicherlich wegen des unvollkommenen Schreibmaterials, nicht hersteilen konnten, weshalb auch die Apokalypse dem Ezechiel’schen Vorbild folgt. Zur Zeit der jüdischen Tradition waren Opistögraphe in Privatskripturen nicht selten, aber biblische Schriften gab es in solcher Form nicht. Es kann auch festgestellt werden, dass bei den Juden — soweit die geschichtliche Kunde reicht — ausschliesslich in Kolumnen geschrieben wurde. Den ältesten und einzigen biblischen Beleg verdanken wir dem König Jojakim, der das von Baruch dem Schreiber nach dem Diktate des Jeremia 8*