Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- XXIII. für das Schlujahr 1899/1900 (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- – (sequence 226)
- Language
- German
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9 Wahrlich es ist um uns dunkel geworden. Es war ein düsterer Tag, an dem David Kaufmanns irdische Laufbahn ihr Ende erreichte, in die tiefste Trauer versetzend seine Familie, deren höchste Zierde; die Wissenschaft, deren feste Säule; Israel, dessen treuer Sohn er war. Weit, weit über die Grenzen unseres Vaterlandes drang die Hiobs botschaft vom frühzeitigen Hin scheiden des hochgelehrten Mannes, und erregte Trauer in all den bescheidenen Hütten, wo unverdorbene Herzen für Israels Vergangenheit und Gegenwart begeistert schlagen, und in den stolzen Hallen, wo eine wahre und echte Wissenschaft alle menschlichen Kenntnisse gleich hochschätzt. Die Wege der Vorsehung sind uns verborgen, doch fühlen wir es in dieser, der Pietät geweihten Stunde, in welcher die hervorragende Gestalt des heimgegangenen Meisters vor unsere Seele tritt, dass es Undankbarkeit wäre, wenn wir nur darüber klagten, was wir verloren und nicht zugleich das unsere Brust schwellte, was wir besessen. Denn David Kaufmann, der Mann des öffentlichen Wirkens, gehörte uns, der Landes-Rabbinerschule und dem ungarischen Judenthume. Er gehörte dem ungarischen Judenthume, das ihm als jungen Gelehrten eine hohe Stelle anvertraute, seine Kräfte durch ein vorgestecktes, erhabenes Ziel anfeuerte, seine Person hob und mit Verehrung umgab. Er war nicht in unserem Vaterlande geboren und erzogen, aber jener auf’s Grosse gerichtete Geist, der das vaterländische Judenthum nach langem und hartem Kampfe zur Errichtung unserer Hochschule führte, berührte bei seiner Berufung seinen Feuergeist, indem er seinen Eifer steigerte und seine Thatkraft anspornte. Und David Kaufmann gehörte und wird unserer Anstalt angehören: der unsterbliche Gehalt seines Lebens ist ein ewiger Schatz unserer Schule, der als geheiligtes Vermächtniss von Geschlecht auf Geschlecht übergeht, seine Idealgestält schwebt als rühmvolles Beispiel vor den Augen der studierenden Jugend und der Pfleger der Wissenschaft. Und nun da der Meister heimgegangen, sehen unsere thränenden Augen nicht nur