Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 69)
- Language
- German
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64 Yom Kai'makam von Constantinopel unterstützt, hatte er zuerst die Angelegenheiten seiner Landsleute erledigen helfen, ihre Waaren auf die Schiffe, die Personen in Sicherheit gebracht, bevor er daran dachte, die Seinen und sich selber zur Fahrt nach der Küste der Heimath auszurüsten. Einen Augenblick hatte er daran gedacht, den Yorschlag seiner türkischen Freunde anzunehmen, bei den Dardanellenschlössern ans Land zu steigen und sich nach Adrianopel zu weiterem ruhigen Yerbleiben in der Türkei zu begeben. Allein der Verdacht des französischen Botschafters war seinen geheimsten Absichten yorangeeilt. Conian’s Einschiffung, so verbreitete er, werde nur zum Schein erfolgen, jetzt erst würden die Venezianer mit trefflichen Spionen im Lande versehen sein. Er, der die Fliegen in der Luft, wie Conegliano sagte, der Friedensbestrebungen verdächtigte, der der Reihe nach Capitän Herein, einen zum Islam bekehrten halbverrückten Juden Namens Bar David und Andere als geheime Friedensvermittler mit seinem Argwohn verfolgte, war besonders, seit er die freundschaftlichen Beziehungen Conegliano’s zu dem neuen Grosswezir erfahren hatte, in eine leidenschaftliche Unruhe gerathen, vor der kein Versteck sicher, kein Geheimniss verborgen war. Von Conegliano’s gutvenezianischer Gesinnung und dessen staatsmännischen Talenten durchdrungen, sah er jetzt den Frieden, vor dem er zitterte, durch ihn bereits geschlossen, ein Gespenst freilich, aber kein blutleeres, ungefährliches. Aber Conegliano sollte gleichwohl die Türkei nicht verlassen, ohne die Fortsetzung seines Friedenswerkes gesichert, die Fäden gleichsam von Neuem fest angeknüpft zu haben, mit denen es ihm dann selbst von Venedig aus weiter zu weben möglich werden würde. Fast wider seinen Willen hatte ihm das Geschick noch in letzter Stunde den Rahmen in die Hand gespielt, an den das Gewebe sich befestigen liess. Seine Absicht war nur auf die Sicherung des Lebens und der Güter seiner flüchtenden Landsleute gerichtet gewesen, sein Einfluss sollte nur noch dazu aufgeboten werden, die letzten Abwickelungen leichter und erträglicher zu gestalten. Was er zwanzig Jahre lang erstrebt und vorbereitet hatte, war jetzt jählings abgerissen; in der Stunde der athemlosen Flacht, da der Boden unter seinen Füssen erbebte, war keine