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Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1895-01-01 · [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895) · page 68

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Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 68)
Language
German
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63 sich vereinigte, um durch eine Bittschrift an den Sultan für die Juden Venedigs, da man auf den Einen allein nicht die Aufmerksamkeit lenken wollte, die Bewiligung zu unverkümmertem ferneren Aufenthalte in der Türkei zu erwirken. Aber Conegliano hatte eben rechtzeitig von dieser Absicht erfahren, um sie noch glücklich zu vereiteln. In dem neuen Grosswezir, dem ehemaligen Defterdar Ali Pascha, war nämlich einer der besten Freunde Conegliano’s zur Regierung gelangt, der sofort von ihm ins Auge gefasst wurde, um seinen auf den Frieden gerichteten Absichten behülflicli zu werden. Am Liebsten hätte er ihn von dem französischen Botschafter völlig abgewendet und zur Durchkreuzung seiner auf die Fortsetzung des Krieges abzielenden Pläne verwendet. Aber Conegliano fühlte einerseits, dass es ihm an der nöthigen Unterstützung von Venedig aus fehle, wo man dem Juden eine officielle Stelluug zu gewähren sich denn doch nicht entschliessen konnte, und dass der Botschafter andererseits zu genau seine Bestrebungen kannte, um hier unter den Augen seines allezeit wachen Verdachtes erspriesslich wirken zu können. Er wusste, dass Marquis de Chäteauneuf trotz aller persönlichen Freundlichkeit viel zu sehr seine Entfernung für wünschenswerth halten musste, als dass er sein Verbleiben hätte unterstützen mögen. Conegliano war vielmehr sicher, um den angebotenen Preis seiner Heimkehr eher für seine Landsleute Etwas bei ihm erreichen zu können. Er versicherte daher auf Ehrenwort, in jedem Falle die Türkei verlassen zu wollen. Der Botschafter möge nur die Zurücknahme des Ausweisungsbefehles seinen Landsleuten erwirken und sie wieder unter seinen Schutz aufnehmen, dann werde der Grosswezir, wenn er ihn wirklich sollte zurückhalten wollen, ihn einfach nur anbinden müssen. Aber auch um diesen Preis war die Einmischung Frankreichs in diese Sache nicht zu erlangen. Auch noch ein brieflicher Versuch Conegliano’s in diesem Sinne von Constantinopel aus war vergeblich gewesen. Er hatte bei seiner letzten Audienz in Adrianopel, wo er dem französischen Staatsmanne über die Politik seines Hofes Bemerkungen machte, die ihn bleich werden liessen, Herrn Marquis de Chäteauneuf für dieses Leben zum letzten Male gesehen.

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