Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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54 Roman. Ein Malteser sei von dem Oberbefehlshaber von Malta nach Rhodus geschickt worden, wo er den Pestungskommandanten Namens Demitrio, der ihm seine beiden kleinen Söhne als Geiseln ausliefern wollte, zum Yerrath bewogen hatte. Mittlerweile sei Papst Alexander YIII. 1691 gestorben und eine Besprechung mit seinem Nachfolger Innocenz XII. nothwendig geworden. Da dieser ohne die Yenezianer Nichts unternehmen wollte, habe der Malteser zu dem Generalcapitän Morosini sich begeben müssen, von dem er erfahren habe, dass vor der Hand kein Feldzug gegen die Türken unternommen werden würde, bevor nicht zwei jüdische Kundschafter Salomo Penso und Elia Cofino über die Brände, die Constantinopel im September 1693 eingeäschert haben sollten, Bericht erstattet hätten. Das war also die lächerliehe Maus, welche der Berg geboren hatte, eine Kundschaf־ terei, von der Nichts zu befürchten stand, Spione, deren Namen nicht einmal mit den Gefangenen Etwas zu thun hatten, ein blinder Lärm, ein Geschrei um Nichts. Genau, wie es gefordert worden war, wurden die Protokolle, in die Conegliano Einsicht erhielt, nach Adrianopel eingeliefert. Sowohl der Kaimakam als der Kapudanpascha, der weiter noch mit süsssauerem Scherze von Spionen sprach, hatten dazu geschrieben. Nach ihren Mittheilungen war jetzt auch Mercin in Haft genommen worden, den Conegliano aber dem Botschafter, der ihn verderben wollte, noch weiter zu schonen rieth. Die Juden schienen gerettet, da Marquis von Chäteauneuf jetzt selbst dem Grosswezir erklärte, er könne bezeugen, dass die Angabe im Protokolle, die Angeklagten stünden unter keinerlei Schutz, einfach Lüge sei. Er habe ihnen, seinen Schutzbefohlenen, die Wohlthat eines Rechtsbeistandes durch den Dragoman der Botschaft nur darum entzogen, weil er auch nur den Schein einer Trübung oder Beeinflussung der Rechtspflege hätte vermeiden wollen, und erwarte auch vom Sultan deren Freisprechung. Da war es wieder der Beilekgi, der im rechten Augenblicke den schweren Fehler verhinderte, den man zu begehen im Begriffe stand. Mit Recht wies er darauf hin, dass es vermieden werden müsse, Actenstücke vor das Auge des Grossherrn zu bringen, in denen von Spionen die Rede sei.