Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [18] für das Schlujahr 1845-95 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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29 Jerusalem, Frankreich also den lange begehrten Schutz über die heiligsten Slätten der Christenheit ausgeliefert habe. Der Sultan freilich gieng noch weiter seinen Zerstreuungen nach. Nur häufigere Zusammenkünfte mit dem Kai'makam deuteten darauf, dass Etwas in der Luft liege; dass es sein eigenes Ende war, hatte er damals noch am Wenigsten geahnt. Israel Conegliano mochte bei seiner Abreise von Constantinopel nur einen vorübergehenden Aufenthalt in der Heimath beabsichtigt haben. Der Zwang trauriger Erlebnisse im eigenen Hause, aber auch die Rücksicht auf das öffentliche Interesse, das ihm eine Entfernung von dem immer bedenklicher werdenden Schauplatze seiner Wirksamkeit räthlich erscheinen liess, hatte ihn für eine Zeit nach Yenedig geführt. Dass fast drei Jahre verstreichen würden, ehe er wieder an die Rückkehr werde denken können, mochte er selber nicht vorhergesehen haben. Sicherlich werden wir die Gründung eines neuen Hausstandes zu den Ursachen zählen müssen, die ihn so lange hier zurückgehalten haben. Aber er sollte nicht nach Constantinopel zurückkehren, ohne dass er gewissermassen mit neuen Bundesgenossen aus dem eigenen Kreise sich versehen hatte. Freitag am 23. März 1688 sah die Universität Padua wieder einen Conegliano, im Laufe eines Menschenalters den dritten, sich mit dem Lorbeer der medicinischen und philosophischen Doctorwürde schmücken. Michelangelo Molinetto promovirte an diesem Tage Josef Conegliano1), den Sohn des jetzt im Dienste der venezianischen Republik in Constantinopel wirkenden Leo. Schon bei der Berufswahl und der Ausbildung des jungen Arztes mochte die Absicht vorgewaltet haben, ihn dereinst an der Seite des zu so grossem Ansehen in der Levante emporgestiegenen Onkels dem Staate Yenedig dienen zu sehen. Er wird wohl auch der Neffe gewesen sein, dessen Israel während seiner Krankheit im Yerkehr mit den venezianischen Behörden sich bediente, die denn auch nicht säumten, ihn als Arzt nach der neuen Provinz Morea zu senden, wo er besonders während der Pest in Korinth sich hervorzuthun Gelegenheit finden sollte.!) S. Anhang II, 3.