Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [15.] für das Schlujahr 1891-1892 (1892)
- Date
- 1892-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3122061-3122080--2227-3123922- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
v botenen Einzeldarstellungen zu sehr hinäusgetreten sein. Aus demselben Grunde wurde der Stoff zum ersten Capitel nur den beiden religionsphilosophischen, nicht auch den exegetischen Werken Saadja’s entnommen. Um den knappen Raum dieser Arbeit nicht ihrem eigentlichen Gegenstände zu entziehen, habe ich biographische Angaben über die Autoren und litteraturgesehiehtliche oder bibliographische Angaben über deren hier benützte Werke fast ganz vermieden; das war umso eherthunlieh, als diese Schriftsteller und Werke zu den bekanntesten der jüdisehen Litteratur gehören. Mit Ausnahme Saadja’s, des grossen Schulhauptes von Sura, des Bahnbrechers wissenschaftlicher Erkenntniss im~ Judenthume, zu dessen tausendjähriger Jubelfeier auch gegenwärtige Arbeit einen geringen Beitrag bilden möge, sind es durchaus Vertreter der spanischen Glanzepoche, deren Kamen die Ueberschriften der einzelnen Capitel bilden. Es sind die drei grössten Dichter jener Epoche unter ihnen, während auch die Uebrigen mit vollem Rechte beanspruchen dürfen, vermöge ihrer Lebensstellung und ihres Ansehens als die berufenen Wortführer des Judenthums ihrer Zeit betrachtet zu werden. Einstimmig, auch durch die verschiedene Gedankenrichtung Jehuda Hallevrs nicht eigentlich gestört, gelangt in den hier vereinigten Aeusserungen und Erörterungen die Ueberzeugung zum Ausdrucke, dass die menschliche Vernunft über die höchsten Prägen des religiösen Erkennens nicht Anderes lehre, als die in der heiligen Schrift gegebeneu Urkunden des in Israel geoffenbarten Gottesglaubens. Diese Ueberzeugung, das treibende Princip der jüdischen Religionsphilosophie seit ihrem Begründer Saadja, gelangt ganz besonders in der hier auf mögliehst objektive Weise vorgeführten, nicht beurtheilten Schriftauslegung zur Geltung. Dieser Ueberzeugung entstammt namentlich die durch ihre Kühnheit oft imponirende, aber oft auch dem heutigen wissenschaftlichen Bewusstsein gewaltsam und tadelnswerth erscheinende Preiheit in der Behandlung der Schriftworte. Der Glaube an den Offenbarungscharakter der heiligen Schrift, vereint mit dem ebenso festen Glauben an die Wahrheit der Vernunfterkenntniss waren die natürliehen Quellen, welche zu der Ueberzeugung von der notwendigen Uebereinstimmung beider, der Vernunfterkenntniss oder — wie wir heute lieber sagen — des wissenschaftlichen Erkennens und des religiösen Inhaltes der heiligen Schrift, zusammenflossen. Nicht durch allegorisirende Exegese, wie seinerzeit der jüdisch-griechische Philosoph von Alexandrien, haben die jüdischen Denker der arabischen Cultur-