Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 210)
- Language
- German
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207 ter des gelehrten Naftali Hirsch Y0n den Vertriebenen Wiens1). Vertrieben ans Wien, das ist der einzige Titel, den das Epitaph ׳des 1691 verstorbenen Mose b. Salomo auf dem Gottesacker in Frankfurt a/M. trägt2). Ein anderer Mose b. Salomo aus Wien wirkte bis zu seinem 1726 erfolgten Tode als Vorbeter und Syndicus der Gemeinde Worms, wo er unter dem Namen Mose Wiener bekannt und geachtet war. Seine Gattin Lea, Tochter Juda Löb's, aus der bekannten Wiener Familie Chalfan, die ob ihrer Frömmig־ keit gerühmt wird, war ihm 1718 bereis im Tode vorangegangen 3). Aber neben diesen zufälligen und bedeutungslosen Ansiede־ lungen von Exulanten im Reich gab es auch Eine planmässige Nie־ derlassung einer geschlossenen grösseren Gesammtheit, die den Keim einer geschichtlichen Neubildung, die Bedingungen lebensvoller Entwickelung mitbrachte, die Colonie der österreichischen Exilirten in Brandenburg, und vorzugsweise in Berlin. In den Ta־ gen der wildesten Verzweiflung des Wiener Ghettos, nach dem Aus־ weisungsedicte vom 25. Februar 1670 war bereits der Blick des preussischen Residenten Andreas Neumann auf die unglücklichen ,Opfer gefallen. Eingedenk des Planes seines Herren, des grossen Kurfürsten, die schwach bevölkerte Mark durch vermögende Zuztigler zu heben und zu kräftigen, legte er dem Präsidenten der Mark, Otto Freiherrn von Schwerin, den Gedauken nahe, die Auf־ nähme einer grösseren Zahl der reicheren vertriebenen Familien beim Kurfürsten durchzusetzen. Am 19. April ergieng bereits an .Neumann ein kurfürstliches Rescript4), in dem es heisst: »Ob wir ג) Die Copie dieser Grabschrift nacli dem von Herrn Rabb. Dr. J. Hü- clesheimer Anfangs der 50־er Jahre angefertigten Verzeichnisse der damals noch leserlichen Halberstädter Epitaphien verdanke ich Herrn Rabb. Dr. Sg. Auerbach ■ sie lautet: אסתר בת מהר״ר נפתלי הירש מגרושי [.1 מגורשי] ווינא אשד, המידה וישרה צדקת ה׳ עשתה נאמנו שרה אבלה כל ימיה מיגיע כפה■ נפשה בה׳ דבקה בכושר לנדל בניה לתורה ובמ(ש)[1. צ]וה כשר[׳]• 2) Nr. 377/2 lautet nach einer Mittheilung des Herrn Rabb. Dr. M. Ho- ■rovitz: משה מגורש מן ווין פה טמון כ״ה משה בר שלמה ז״ל נפטר ונקבר יום ה׳ כ״ה כסלו תנ״ב לפ״ק. 3) Vgl. das Memorbuch von Worms קבץ על יד hi, 32,35,37. 4) Nach den durch die Gülte der Direktion und des Herrn Geh. Archivraths Dr. Bailleiir mir gewordenen Abschriften aus dem im Kön. Preuss. G־eh. Staats- Archiv in Berlin Repositur 21. Nr. 203 erhaltenen Urkunden, auf denen auch meine Darstellung in Folgenden ruht. L. Geiger, Geschichte der Juden in Berlin .11, 6 hat hierüber »in den Berliner und Wiener Archiven Nichts finden können.«