Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 200)
- Language
- German
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197 ״voll duldsamer Liebe für Andersgläubige. In der Geschichte der Gesittung unvergessen bleibe ihm das Wort, das er hundert Jahre vor Gotthold Ephraim Lessing an Wagenseil geschrieben x): »Ich muss leider vernehmen, dass wir so viel behasset, und über die!nassen befeitet werden, in dem vermeinten, ungrundirten Vorgeben, als wann wir Juden solten die Christen verdammen: Welches nicht allein durch unsere Schriften nicht zu probirn. sondern allein das Widerspil zu probirn ist. Es ist auch wider alle Vernunft, dass eine Nation die ander derZeit verdammen solte, derweil eine jede Nation vermeint, dass seine Religion die rechte sey; und ist darumkeiner zu verdencken«.Für einen Judenseiner Tage der deutschen Sprache in Wort und Schrift sogar hinreichend Meister, lehnte er es gleichwohl ab. in Glaubensdisputationen sich einzulassen, zu denen christliche Gelehrte ihn wiederholt aufforderten 2). Aber die Tage seiner stillen Wirksamkeit in Fürth waren -gezählt. Der Ruf seiner Gelehrsamkeit hatte die Gemeinde Barnberg bewogen, ihr Rabbinat ihm anzubieten. Bevor er aus dem Kreise der Freunde, aus der ihm lieb gewordenen Gemeinde schied, übergab er zum Danke für ihre Gastfreundschaft der Alt-Synagoge von Fürth die Gesetzesrolle3), die er mit seiner kunstfertigen Hand unter peinlichster Befolgung der zu ihrer Heiligung angeordneten strengen Vorschriften geschrieben und wie seinen Augapfei bewahrt hatte. Noch sind die weisen und frommen Institutionen erhalten, welche der neue Rabbiner zu bleibender Befolgung mit eigener Hand in das Gedenkbuch der Gemeinde einschrieb, die ihn .aus seinem Privatleben in Fürth zu ihrer Leitung berufen hatte4). Doch auch in Bamberg war seines Bleibens nicht lange, da die Gemeinde Hanau ihn zu ihrem Rabbiner berief.5) Hier traf ihn die schmerzliche Nachricht, dass sein Freund Wagenseil »die Brandgeschosse des Teufels« gegen die Juden losgedrückt habe. .Der Brief, in dem er in klassischem Hebräisch seine edle Entriistung dem verkappten Feinde zu erkennen giebt, ist ein Denkmal ג) Sota 1219. 2) Im Briefe an Wagenseil vom 7. Adar 1683. s) Würfel I, 27; Wagenseif Sota 1156 f. 4) Icla habe dieselben in cod. 115 der Merzbaclieriana kennen gelernt. 5) Hier besuchte ihn der ihm verwandte E. Jair Bacharach, dem er im Frühling 1681 aus tiefer Bescheidenheit die begehrte Approbation verweigert s. חות יאיך f. 236 b-