Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 156)
- Language
- German
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153 in Umlauf gekommen, der Kaiser werde demnächst auch die Juden aus den ׳Erblanden, aus Böhmen, Mähren und Schlesien, vertreiben, die ersten drei Tausend würden ehestens aus Prag abziehen mlissen 1). Sie aber nahmen gefasst all die Schreckensbotschaften ent״ gegen und erklärten, wenn sie auch von dort vertrieben werden sollten, weiter wandern zu wollen, bis sie einen Herrn fänden, »der Sie Mehr’, alss der vorige liebete«. »Weiter hat man nichts vngedultiges von ihnen vernehmen können« 2). Wie lächerlich war die Furcht des Jägers vor seinem zahmen Wilde gewesen! Man hatte sich überzeugt, dass keinem Christen ein Haar gekrümmt worden war, die Brunnen ihr Wasser unverändert behielten. Schweigend waren die Juden abgezogen nach der alten Vorschrift vom rothen Meere her (2. M. 14, 14). Die Geiseln waren überflüssig. Schon am 31. Juli erhielten die Fränkelschen Erben daher, die drei Brüder Isak, Israel und Enoch, vom Kaiser sowohl als von der Commission ihr Wohlverhaltungszeugniss mit der wärmsten Empfehlung an alle Tribunale und Behörden 3). Die wegen Schulden verhafteten Armen wurden entlassen, 11m zugleich mit den 18 Vornehmsten, die man zurückgehalten hatte, abzuziehen4). Ausnahmen wurden-nicht gemacht5); nach den ersten Augusttagen war kein Jude in Wien zu finden. Die von Wien hatten selige Tage; die Spanier und die Jesuiten6) triumphirten. Am Hofe sann und besprach man nichts Anderes als die gloriose Massregel, die da soeben getroffen worden war, als wäre das Reich fortan gesichert, der Erbfeind über die Grenzen geworfen worden. Abele, der gestern noch bei den Juden ב) Nach den schwedischen Depeschen vom 24. Juli und 21. August 1670. 2) Ib. 21. August. 3) Beide im Archiv des k. k. Ministeriums des Innern; G. Wolf 53 1*. 4) Nach der Depesche Andreas Neumamrs vom 23. Juli/2 August 1670. 5) Die Angabe (Inschriften p. NX, Gr ätz X, 264 f.), dass Marcus Schlesinger in Wien Zurückbleiben durfte, ist unhaltbar s. G. Wolf 63 n*. Wiener in Ben Chananja 8, 104. Vollends irrig ist die Behauptung J. S. Biedermannes (Archiv für Kunde öst. Geschichtsquellen 20,419), Wolf Schlesinger undLÖw Sinz־ heim seien weiter in Wien geduldet worden, da jener unter Karl VI. lebte, dieser etwa erst 3 Jahrzehnte nach der Vertreibung von Worms nach Wien kam. 6) Über ein an der Universität ausgetheiltes Gradusbüchlein, in dem die Jesuiten durch ein langes lateinisches Gedicht das Ereigniss feierten s. Josef Werthei mer 's Juden in Österreich I, 127,