Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 129)
- Language
- German
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126 ■ Erfinden. Mord- und Ubelthaten der Judensckaft, seit vielen Jakren 11er verübt, batten ihre Ausschaffung für ewig unaufschiebbar erscheinen lassen. Ja, die Welt war auf einmal um mehr als vier Jahrhunderte zurückgeworfen, man wollte allen Ernstes wissen und glauben, die Juden hätten Anstalten getroffen, die Brunnen von Wien zu vergiften. Man munkelte auch bereits, dass demnächst die Juden aus Böhmen und den übrigen Erblanden hinweggeschafft werden sollten. In Wien würde man in das ausgeleerte Ghetto die sog. Klopferhandwerke, als da sind Böttcher, Schmiede, Schlosser oder auch Andere wider Willen, gleichsam zur Strafe verweisen. Die Wache an der Schlagbrücke hatte den strengen Befehl* Juden oder Jüdinnen ohne besondere Erlaubniss der Commission nicht aus dem Ghetto treten zu lassen. Der Schluss des Rufes, der die Juden feierlich verwarnte, vor oder beim Auszug sich an den Christen zu vergreifen, war übrigens ganz dazu geeignet, die Bevölkerung das Gruseln zu lehren. Da von begangenen Verbrechen nur gefabelt werden konnte, so hatte man jetzt um so mehr Anlass, vor zukünftigen sich zu fürchten und deren Möglichkeiten sich auszumalen. Selbst Männer wie die Breslauer Berichterstatter brechen in den Angstruf aus: »Gott verhütte, dass hierauf nicht solche Unglücksfälle erfolgen, die in voriger Zeiten geschickten vermercket seindt, dass nemblich durch Gifft, Mordt und Brand die aussweichenden Juden die rache ihrer Bossheit ausgelassen«. Der preussische Resident Andreas Neumann berichtete noch am Tage des Rufes dem grossen Kurfürsten *) : »Heute hat man die genzliche ausschaffung der Juden ausblasen lassen, also dass auff dem künfftigen fronleichnambs tag sich kein einziger mehr im Lande soll finden lassen, vnd sein gewisse Commissarii verordnet, so fern schulden forderungeil vnd gegenforderungen vernehmen, vnd einem jeden zu dem seinen verhelften sollen. Dis werk wird vom Bischoffen zur Newstadt Graff von Kolnitsch vnd dem Baron hocker Hofcanzlarius sonderlich getrieben«. Das wusste man in Wien auch allgemein, wie die Hauptschürer des bei Hofe gegen die Judenstadt gelegten Brandes hiessen. Abele lässt darum die Abziehenden in ihrem Klagegesange ausrufen * 2) : ג) Grelieimes Staats-Archiv Berlin : 19. Februar 1670. 2) Yivat oder künstliche Unordnung III, 319 f.