Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 113)
- Language
- German
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110 den sie scheinbar bringen, die Abgaben, werde ziehen können, zu deren Leistung sich übrigens die von Wien bereits erboten hätten. Am 19. Juni 1669 fand unter dem Vorsitze des Kaisers die Si- \ tzung statt, in der die Entscheidung über diese Frage fallen sollte1). Lobkowitz, Fürst Johann Weichard von Auersperg, der bald an sich selber erfahren musste, was Kaisers. Ungnade bedeutet, Ferdinand Fürst Dietrichstein, der Obersthofmeister der Kaiserin, und die übrigen ordentlichen Gekeimrätke waren zu der Versammlung erschienen. Nachdem das schriftliche Gutachten verlesen war, nahm der Hofkanzler das Wort, um auch noch mündlieh zu secundiren. Der hier sprach, war der »hartgesottene« vom Bürgerlichen und Advokaten zum Baron und Hofkanzler emporgestiegene Johann Paul Hocber 2 3 * * * *), der Mann der »brüllenden Gutachten,« der Henker der ungarischen Freiheit, in dem die Unterwürfigkeit gegen den Kaiser die Menschlichkeit ohne Best aufgezehrt hatte, gewohnt, mit jedem Worte Schrecken zu verbreiten und das Bicktsckwert seiner Feder in Blut zu tauchen. Er wird das Gutachten, in dem der Zorn seiner hasstrunkenen Seele raucht, durch seinen Vortrag nicht abgeschwächt haben. Gleichwohl fanden sich, da der Kaiser Jeden der Anwesenden zur Aeusserung seiner Meinung ermunterte, Stimmen, die zum Aufschub riethen, da zuvor noch das Gutachten der Finanzbehörde, der Hofkammer und der böhmischen Canzlei8) einzuholen sei. Allein jetzt griff der Kaisei* selber in die Berathung ein, indem er darauf hinwies, dass es sich hier und jetzt nur um die Ausweisung aus Österreich unter der Enns handle. Er nehme nicht an, dass die Stände derselben widersprechen werden, wozu sie auch nicht befugt seien, da das Judenhalten von der Erlaubniss des Kaisers abhange. Es sei darum die Wegschaffung der Juden, wie sie früher in anderen Provinzen erfolgte, heute, wo der Vorabend des Froknleicknamsfestes 9 Nach dem von Johann Georg Koch als Sekretär Unterzeichneten Protokolle im Archiv des k. k. Ministeriums des Innern. 2) Vehse 11, 68 ff.; Allg. Deutsche Biographie 12, 520.; Ad. Wolf a. a. 0. 213 ff 3) Es mochten Mitglieder der Commission vielleicht ein G-utachten der böhmischen Kanzlei darüber verlangt haben, ob die Ausgewiesenen in Böhmen und Mähren unterzubringen seien. Das schriftliche Votum der Commission hatte nemlich erklärt, dass man sich um die »Unterbringung« der Juden nicht zu kümmern habe. <£