Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 110)
- Language
- German
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107 Sache wieder abziehen mussten. Am folgenden Freitag und Sonnabend wiederholten sich diese Scenen mit gesteigerter Wutli und fesselloser Verrohung. Studenten — von 4000 spricht der Nuntius — mit einem Gefolge ungezählten Gesindels drangen immer wieder von Neiiem in die Judenstadt, deren Gassen zu Schlachtfeldern geworden waren. Das Militär musste von den Waffen Gebrauch machen, die Spitzen der Wiener Besatzung, Generalfeldmarschall Ludwig Badewich de Souches, der berühmte Vertheidiger Brünns gegen die Schweden, jetzt Regimentsinhaber und Stadt-Comman־־ dant von Wien, Oberstlieutenant ITgarte und Oberstwachtmeister Graf Von Traun, erschienen persönlich auf dem Kampfplatze, auf dem es nun auch bereits Gefallene gab. Soldaten und Studenten waren im Handgemenge zu Tode getroffen worden, Verwundete bedeckten die Gassen. Der Tumult von gestern hatte sich zu einem Aufruhr entwickelt, mit dessen Erstickung die bewaffnete Gewalt ihre Hände voll zu thun hatte. De Souches hatte der Besatzung in der Judenstadt Befehl gegeben, unnachsichtig auf Jeden zu feuern, der sich nähern würde. Die Mannschaft, angeblich auch vom Weine erhitzt, gehorchte und bald zählte man fünfzehn Todte und Yerwundete, unter denen wie immer Unschuldige, welche die Neugier angelockt hatte, in der Überzahl waren. Die Erbitterung wendete sich jetzt gegen den Befehlshaber und seine Soldaten. Heftige Reden Hessen neue Zusammenrottungen und Zornesausbrüche befürchten. Man erschrack bei Hofe über die Widerhaarigkeit der Aufrührer, die da zu Tage gekommen war. Sonnabend früh, den 27. April 1)ל am dritten Tage der Empörung, raffte sich der Kaiser zu dem Entschlüsse auf, durch die niederösterreichische Regierung denen von Wien die Einstellung der Zusammenrottungen gemessen auftragen zu lassen. Noch denselben Vormittag sollten sie in ganz Wienuudbesonders jenseits der Schlagbrücke unter Trompetenschall den Ruf ergehen lassen, dass Niemand in der Judenstadt oder deren Umgegend sich einfinden dürfe und vollends Jedermann vor An- Stiftung von Zusammenkünften sich hüten solle, da Garnison und Stadtwache angewiesen seien, dieselben »durch gehörige Mittel und mit Gewralt zu trennen«. Am Sonntag v7ar die Rothenthurm־ und die Schlagbrücke gesperrt. Gleichwohl gelang es den ungarischen ג) Dies ist das Datum des im Wiener Stadtarchiv unter 1S/1G69 erhaltenen Edikts, das hei G. Wolf 39 unmotivirt und undatirt erscheint,