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Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest · 1888-01-01 · [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888) · page 93

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Journal
Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
Volume
[11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
Date
1888-01-01
Page
– (sequence 93)
Language
German
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90 katen als Belohnung demjenigen, der den Mörder des in der Judenstadt aufgefundenen Weibes anzeigen würde, zusichern liess נ), war vergeblich ergangen. Die Verhaftungen, die man vornahm, hatten zu keinem Ergebnisse geführt. Die Vorsteher der Juden, an die man ohne jede Spur eines Anzeichens von Schuld vor Allem Hand angelegt hatte, mussten bald wieder freigelassen werden, es war kein Hauch des Verdachtes an ihnen zu entdecken. Die Volkswuth hatte man rechtzeitig gebändigt, denn das Leben der jüdischen Bevölkerung schwebte in der äussersten Gefahr. 300 Musketiere hat־ ten aufgeboten werden müssen, um am bedrohlichsten Tage das Ghetto zu schützen. Aber ns war kein Gewinn, dass das Gewitter unentladen vorüberzog, die Spannung verdichtete sich, der Groll brütete weiter, das Geschrei nach Opfern, das diesmal wirkungslos verhallt war, schwoll immer mächtiger an; statt des einäschernden Ausbruches, den man befürchtet hatte, war ein Erdbeben eingetreten, das sich nicht mehr beruhigen sollte.Wie schwer die Stimmung der städtischen Bevölkerung vergiftet war, das zeigte die Nothwendigkeit eines neuen Rufes 2), der noch im selben Jahre gegen die wieder einge־ rissene Beschimpfung und Misshandlung der Juden verkündigt werden musste. In Liedern, Kupferstichen, Pasquillen und durch den Druck vervielfältigten lügnerischen Zeitungen, die alle diesen Mord zu ihrem Gegenstände hatten, war die Erbitterung des Pöbels gegen die Juden in einem Grade erregt und genährt worden, dass die Regierung am 22. September 1665 sich genöthigt sah, ein Patent zu ihrem Schutze zu erlassen 3). Dem Magistrat von Wien schien dies die rechte Zeit zum Aderlässen, dem jetzt die Juden sich länger nicht wider setzen wiirden. Wie bange und verzweifelt ihre Stimmung war, das beweist der Umstand, dass sie sich nicht mehr auf die alten Privilegien und die letzten Entscheidungen des Kaisers und der Gerichte beriefen, sondern mit stummer Ergebung Alles geschehen Hessen, was die von Wien über sie verhängten. Genau 7412 Gulden 5 ß und 14 & hatten die Steuerhändler an Capital und Zinsen für die Landtagsbewilligungen seit 1652 bis Ende Juli 1664 herausgerech- ג) Schlager, Wiener Skizzen N. E. 2, 139 f., 258. 2) Ib. 258. 3) Nach J. L. F. Graf von Barth-Barthenheim, Beyträge zur politischen G־^setzkunde im österreichischen Kaiserstaate (Wien 1821) I, 12.

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