Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [11.] für das Schlujahr 1887-88 (1888)
- Date
- 1888-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3122061-3122082--1514-3123690- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 nicht im Stande sein werde, aus einem Brunnen zu schöpfen, dem man das Wasser ■abgegraben. Wollte man mit der regelmässigen und oft auch ausserordentlichen Belastung der Juden fortfahren, so musste man zu ihrer allgemach in der Stadt wieder um sich greifenden Handelsthätigkeit, der die christliche Bevölkerung willig Unterstand gewährte, ein Auge zudfücken. Nur am grünen Tisehe des Stadtrathes lauerte man auf diese unbefugte Erweiterung der den Juden zugestandenen Beeilte, um ihnen zur Zeit Verlegenheiten zu bereiten. Auch musste dem Kaiser die Überzeugung sich aufdrängen, dass eine so eingreifende Massregel wie die Aenderung der Gerichtsbarkeit für die Juden verfrüht sei und eine Quelle steter Rechtsverletzung und Zwietracht bilden werde. Am 22. November 1641 entschloss *) er sich denn auch, sein eigenes Decret zurückzunehmen und die Wiener Judenschaft in Jurisdiction und Rechtspflege wiederum seinem Obersthofmarschallamte »zuzueignen und anzuvertrauen.« Selbst die zur Zeit bei denen von Wien und dem Stadtgerichte schwebenden jüdischen Streitsachen sollten behufs ihrer Austragung dem neuen Forum zugewiesen werden. Während die Judenschaft, gemassregelt und der Last der Auflagen fast erliegend, notlidürftig wieder Hoffnung zu fassen anfieng, dass ihr die entzogenen Rechte nach und nach wieder gewährt werden dürften, drohte ein einziges Ereigniss die kümmerlichen Errungenschaften mitsammt der Gemeinde zu begraben. Ein diebischer Schurke Namens Ckajjim aus Engelberg * 2) in Böhmen hatte nach einem Silberdiebstahle in einer Prager Synagoge der Strafe sich dadurch zu entziehen gewusst, dass er 1636 zu Rakonitz die Taufe nahm, in der ihm der Name Ferdinand Franz Engelberger beigelegt wurde. Der reingewaschene Sünder warf sich alsbald zum Bekehrer der Juden auf, denen er in einem Büchlein, genannt der Üatholische Wegweiser 3), den christlichen Glauben mit Gründen ג) Ib. 2) leb lolge der Darstellung J. dir. Wagenseil's. tela ignea Satanae p. Iß8, die J. G. ScJmdt nach der deutschen Übersetzung Hossmanris in seine Jüd.Merkwürdigkeiten II, *91 ft*, aufgenommen hat; s.ib. *22 und 1,126, II, 308. Vgl. auf G. R. Widmann, Fausts Lehen ed. Adam von Keller (146. Püblication des literarischen Vereins in Stuttgart) p. 265 ff. V Über Engelsberger's Schriften s. J. Ohr. Wolf, Libliotheea hebraea I.