Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [9.] für das Schlujahr 1885-86 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
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52 dargebracht werden. Die Erstlinge von den vorzüglichsten Fruchtgattungen des Landes mussten ebenfalls als Opfergaben in denTempel gebracht werden; es hatte dies auf besonders feierliche Weise zu geschehen. Processionen wallfahrten mit den sinnreich geschmückten Körben voll der gereiften herrlichen Früchte, unter Absingung von Dank- und Lobliedern auf den Spender des Segens und begleitet von den Bewohnern der Städte, nach der Gottesstadt, allwo sie von den Bürgern derselben mit dem Grusse אהינו אנשי מקום ימלוני באתם בשלום• »Brüder, Bürger der Stadt (hier wurde der Namen des Wohnortes genannt) eure Ankunft bei uns sei vom Gottesfrieden begleitet. 14) So zogen sie unter Musik und Gesang bis zum Tempelberg, wo ein jeder 15) mit gehobener Stimmung und dankerfüllter Brust in kurzen Worten die Geschichte der Väter, den wunderbaren Auszug aus Egypten und den Einzug in das Land der Verheissung erzählte und in Gegenwart des Priesters den Korb vor den Altar des Herrn hinstellte mit den Worten: ועתה הנה הבאתי את ראשית פרי האדמה אשר נתתה לי ה׳ »Nun habe ich die ersten Früchte des Bodens dargebracht, den du 0 Gott mir gegeben hast.« 16) Erst nachdem man dieses Bekenntniss der göttlichen Herrschaft und Liebe abgelegt und demüthig vor Gott, dem Spender des Segens, seine Andacht verrichtet hatte, erst dann durfte man des Bodens sich freuen und die Früchte seines Fleisses gemessen. Wahrlich ein schöneres, erhebenderes und weihevolleres Erntefest konnte nicht begangen werden. Die erste Frucht des Bodens seinem Gotte weihen, ihn als den Geber alles Guten in freudiger Stimmung und in brüderlicher Eintracht mit allen Mitmenschen bekennen und sodann den Segen seines Fleisses nicht bloss für sich und die Seinen verwenden, sondern auch den Armen und Fremdling mit demselben erfreuen und auch ihrer in Liebe gedenken, das ist unstreitig der höchste Seelengenuss, würdig dessen, der in Allem dem Urbilde der Sittlichkeit nachzustreben berufen ist. 2. Wohlthätigkeit ist eine ethische Pflicht und die Halacha gebietet: תן לו משלו שאתה ושלך שלך »Grib Gott von dem seinigen; denn 14) Bikurim 3, 3. 15) In der Misclma (Bikurim 3, 4.) wird berichtet, dass selbst der König* Agrippa einen Korb mit den Erstlingen auf seine Schulter nahm und mit diesem beladen die Tempelhalle betrat. 16) Deut. 26, 1—12. T. Bikurim j Maimuni Ab sch. Bikurim.