Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- [1.] für das Schlujahr 1877-1878 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 132)
- Language
- German
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116 lungsgescbicbte der babylonischen Traditionswissenschaft. Alle ihre Fäden laufen in ihn! zusammen, um dann durch seine zahlreichen Schüler fortgeführt zu werden, in den nach seinem Tode entstandenen Schulen, in welchen nur wenige Jahrzehnte später das Werk begonnen wurde, zu dem er die grössten Bausteine beigetragen, die Abschliessung und Zusammenfassung des weitläufi gen Lehrstoffes, die Redaktion des babylonischen Talmuds. Und dieser merkwürdige Mann, der unter den Trägern der Halacha eine so hervorragende und massgebende Stellung einnimmt. steht als Agadist unter den babylonischen Amoräern geradezu einzig da. Wol kann er nicht mit Rab verglichen werden, dessen Agada reichhaltiger und vielseitiger ist. Aber Rai) war seiner Bildung nach mehr Palästinenser und an Belehrung und Beispiel seiner auch als Agadisten bedeutenden Lehrer und Zeitgenossen grossgeworden, während bei Raba dem Bahylonier, dessen Lehrer die Agada entweder gar nicht oder nur als Gegenstand traditionsmässiger Aufnahme und schulgemässer Discussion handhabten, die ungewöhnliche Menge und verhältnissmässige Vorzüglichkeit und Selbständigkeit der von ihm erhaltenen agadischen Schriftauslegungen mit Recht Staunen erregen muss. Die Annahme palästinensischen Einflusses allein genügt nicht, um diese Erscheinung zu erklären, besonders da Raba durchaus nicht mit den Jüngern der Jochanan’sehen Schule so lebhaften Verkehr hatte, wie sein Freund Abaji; vielmehr bildete er zu Letzterem in Bezug auf die Werthschätzung der Palästinenser einen Gegensatz : während Abaji der Ansicht war, dass Einer von ihnen mehr werth sei als zwei Babylonier, behauptete Raba, dass ein Babylonier, der nach dem heiligen Lande komme, mehr werth sei, als zwei Palästinenser. n) ״) Kethub. 75a. Raba sagte dies zugleich mit ironischem Hinblicke auf Jeremia, der in seiner Heimat zu den Unbedeutenden Jüngern gehört hatte und in Palästina die Babylonier als die .,narriselten“,בבלאי טפשאי, zu bezeichnen bebte; einmal hatte er sich dieses Ausdruckes sogar in Bezug auf Rabr selbst bedient, Joma 57a. Die Gesinnung Raba’s gegenüber den palästinensischen Gelehrten zeigt auch die Erzählung in Gittin 29b: Zu der Nachricht, dass Safra, ein babylonischer Gelehrter, den er sehr hoch schätzte (s. Baba bathra 144a), während seines Aufenthaltes in Palästina drei angesehene dortige Gelehrte des Irrthums überführt hatte,