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Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 151

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
Biographische Daten über Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher)
Date
1914-06-30
Page
151 (sequence 6)
Language
German
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BerS Locker, Wahlrechtsraub 161 ihren Ausgangspunkt. Bei seinem heißen Bemühen, die „gegenwärtig wirkenden und lebenden jüdischen Volkskräftc" immer besser und vollständiger zu erfassen, ist er zur Bejahung des religiösen Genies Israels gelangt. Für den Sinn dieser seiner jüngstens Entwicklung sind übrigens die Schlußworte einer ungedruckten Selbstbiographie bezeichnend, jiie nun auch hier an den Schluß gesetzt sein mögen: „Ich habe nun meinem früheren Rationalismus vollständig den Abschied gegeben. Aber ich möchte bemerken, daß ich auch auf diesem Gebiete von den Ostjuden und ihrem lebendigen Volksorganismus alles erwarte, und daß ich mich in keiner Weise, weder in der Theorie noch in der Praxis, von den nationalen Kulturbestrebungen des Ostjudentums entfernte. Für mich sind die Ostjuden die lebendige und als Volk lebendig zu erhaltende Hauptmasse des jüdischen Volkes, das ein Gottesvolk, aber auch ein Volk ist, das niemals Nichtvolk sein kann und darf." * Der Wahlrechtsraub in Galizien Von Berl Locker, Lemberg (Schluß.) Es wäre sehr verlockend, hier auf die Beziehungen zwischen Polen und Juden überhaupt näher einzugehen. Denn in ihnen liegen ja die primärsten Ursachen aller jener Erscheinungen, die die Judeufrage im polnischen Machtbereiche ausmachen. Doch das" würde uns zu weit führen. Es sei hier nur kurz angedeutet, daß letzten Endes die Triebfedern der polnischen Judenpolitik überall dieselben sind. Der galizische Wahlrechtsraub — was ist sonst das Stimmrecht, wenn es keine entsprechende Vertretung sichert — ist im- Grunde auf dieselben Wurzeln zurückzuführen, aus denen jenseits der gelben Pfähle der Boykottkampf seine Nahrung zieht In Galizien kommt noch die Stellung der Polen im österreichischen) Staate als verschärfendes Moment hinzu. Die Polen spielen hier die Rolle des Staatsvolkes. Sie bilden in Galizien nicht einmal die Hälfte der Gesamtbevötkerung, sind in Ostgalizien eine Minorität von 25 Prozent, die Ruthencn sind ihnen an Zahl nahezu gleich, und doch wollen die Polen den Gedanken, Galizien sei ein polnisches Land nicht aufgeben. Ihr Bestreben, durch Hinzuaddierung der Juden ihr völkisches Uebergewicht zu begründen, ist da gar nicht so unverständlich.

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