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Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 147

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
Biographische Daten über Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher)
Date
1914-06-30
Page
147 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Biographische Daten über Dr. Nathan Birnbaum 147 der eigentlich deutschen Kultur, obwohl er ah Schriftsteller in deutscher Sprache keinen geringen PJatz für sich beanspruchen könnte. Im Jahre 1883 gründet Birnbaum mit einigen ostjüdischen freunden die „Kadimah", die erste Vereinigung jüdischer Studenferi überhaupt. In das Jahr 1881 fällt die Herausgabe der „Selbstemanzipation", je'ner ersten nationaljüdischen, resp. zionistischen Zeitschrift des Westens, die mit teilweise langen Unterbrechungen bis in die neunziger Jahre von Birnbaum geleitet worden ist. 1887 erfolgt seine Promotion zum Dr. juris. Er ist dann noch einige Jahre ohne viel innere Anteilnahme als Kanzlcijurist tätig gewesen, um dann schließlich diese Laufbahn völlig preiszugeben. Die durch ihn selbst heraufgefüiute nationaljüdischzionistische Bewegung läßtihn nicht mehr los und nimmt allmählich seine gesamte Arbeitskraft in Beschlag. In jenen Jahren legt et — in unübertroffen reifer Form — die gedanklichen' Fundamente, die später vom Kongreß-Zionismus fast unverändert} übernommen werden. — Den Abschluß dieser Periode mag man mit dem Jahre 1893 setzen; damals erscheint die Schrift „Die nationale Wiedergeburt des jüdischen Volkes in seinem Lande*'. Die nächsten Jahre sind solche schweren Ringens um neue Formulierungen und neue Wege. Schon in „Die jüdische Moderne'* verrät sich ein verhaltenes, aber explosives Suchen. Nocht fungiert Birnbaum nach dein erste« Kongresse als Generalsekretär der zionistischen Organisation. Aber, immer mehr in die Lebens-' tiefen des ostjüdischen Volkstums sich versenkend, widmet er sich diesem bald ganz. Es kommen die Kämpfe für den Primat und die Anerkennung der ostjüdischen Kultur. 1906 und 1907, zur Zeit, als das allgemeine Wahlrecht in Oesterreich eingeführt wurde, gibt Birnbaum in Wien ein neues Blatt heraus, die „Neue Zeitung". 1907 ist er, mit zionistischer Unterstützung, nationaljüdischcr (Kandidat zum Reichsrat für Buczacz (Galizien), kommt in Stichwahl, dringt aber dem polnischen Wahlschwindel gegenüber nicht durch. 1908 ist Birnbaum] in Czernowitz; dorthin beruft er im Spät- Somtner 1908 die erste „Jüdische S'p r a c h k o n f e r e n zu, an der die bedeutendsten Dichter und Schriftsteller der Ostjuden teils persönlich (Asch, Nomberg, Percz, Reisen, Schitlowsky usw.), teils mit, Begrüßungsschreiben (Mendale Mojcher Sforim, Scholem Alejchem usw.) teilnehmen. Die Konferenz spricht sich unzweideutig für die Rechte und die Bedeutung der ostjüdischen Volkssprache aus. Später hat man versucht, die überaus gemäßigten Czernowitzer Beschlüsse als Ausschaltung

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