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Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 145

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
[Ohne Titel]
Date
1914-06-30
Page
145 (sequence 4)
Language
German
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Ueber Birnbaum H5 des Zionismus Kulturzionisi Zu seinem geistigen Zionismus gelangte er ganz unabhängig von Achad Haam, wenn er auch mit letzterem später in manchen Punkten übereinstimmte. Mit derselber Leidenschaft, mit der Birnbaum vorher den politischen Zionismus gepredigt hatte, predigte er nun den Kulturzionismus. ■ Dabei aber sich zu beruhigen, war ihm nicht lange gegönnt. Er merkte bald, daß die jüdische Kultur als solche unvergleichlich breiter und tiefer ist als das, was sich in den Rahmen des Zionismus fassen läßt. Was tun? — Mit verschiedenen „Einfällen" und mit fortwährenden Selbsttäuschungen zwängt man alles Jüdische in den Zionismus und nur in den Zionismus. Dieser (ich meine den offiziellen, den politischen sowohl als den geistigen) mag die größten Verdienste besitzen, er ist doch nur ein Pünktchen im Volksbewußtsein und nicht dieses selbst in seiner allumfassenden Gänze. In ihrem breiten Umfange ist die jüdische Kultur so ,groß wie die Weit, umfaßt Jahrtausende, viele Generationen, die mannigfachsten Systeme, Sitten und Ansichten, das verschiedenartigste Glauben, Streben Und Hoffen, die mannigfaltigsten Phantasien, Träume und Ideale, In alledem nicht mehr als ,Zion* sehen zu wollen, das ist schon mehr als künstlich. In den Mittelpunkt der jüdischen Kultur muß man also das ewig schaffende Volk und nicht die eine oder die andere zeitliche Idee stellen, so wichtig sie auch unter gewissen Umständen sein mag. Derart begann sich Birnbaum ganz allmählich vom abstrakten Nationalismus loszumachen und sich dem konkreten Volkstum ■ ■ zu nähern und, auf diesem Wege immer weiter vordringend, alle Schöpfungen des Volkes zu schätzen. Dadurch trat er in scharfer Opposition zum offiziellen Zionismus, der das ganze jüdische Golusleben mit all seinen Schöpfungen verneint. Ein Teil dieser Vergötterung der Schöpfungen des jüdischen Volkes ist seine Apotheose der jiddischen Sprache* Von da stammt sein „Jiddischismus*1, der mit dem Markt-Jiddischismus unserer „radikalen" Schwätzer in Wahrheit gar nichts zu tun hat, Ihr Jiddischismus entspringt der Unbildung, der Feindschaft des Unwissenden gegen den Gelehrten, dem Hasse gegen die altjüdische, gegen die heilige Sprache, dein Sie-Nicht-Können-Noch-Kennen- Wollen — während Birnbaums Jiddischismus aus der tiefen und heißen Liebe zum Volke quillt ■ m m Auch beim Jiddischismus blieb er nicht stehen. Als echter und konsequenter Denker begriff er schließlich, daß wenn man sagt: „Dein Volk ist mein Volk!*', man auch sagen muß: „Dein Oott ist mein Gott!u, wenn man das Volk lieben will, man auch den Gott dieses Volkes lieben, seine Religion wert und heilig i

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