Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 3 (30.6.1914)
- Article
- Golus-Umformung
- Date
- 1914-06-30
- Page
- 134 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Ueber Birnbaum das letzte Funkchen Judentum im Herzen eines freulosen Volksgenossen kämpfen. Nicht aufgeben, sondern schaffen, kräftigen, beleben — ist wohlverstandene Grundlage des Zionismus. Und um dieser Belebung willen formt er die Gegenwart um, ebenso wie Birnbaum sie umformt in den Prinzipien finde ich also keinen Unterschied zwischen Birnbaum und dem Zionismus, Man sollte also endlich diese Diskussion um das oberste Prinzip, welches nicht Öolusbejahung oder -Verneinung, sondern beidemal heftigste Golus-Umformung heißt, als beendigt ansehen, Es ist kein Zufall, daß so hervorragende Zionisten wie LJeo Hemnann (in seiner vom „Jüdischen Verlag" eben edierten Schrift „Nathan Birnbaum"), Hugo Bergmann u. a. liebevoll und bewundernd zu Birnbaum stehen. Die Gegensatze, die ich keineswegs unterschätze» betreffen Fragen der Mittel und der Rangordnung unter den Mitteln, Das übereinstimmende Prinzip ist; Um Formung und Erhöhung der jüdischen Gegenwart Sieht man dies nicht ein, so wird das jüdische Volk zu sieinen sonstigen Anomalien noch die hinzuerwerben, daß es das einzige Volk mit zWei nationalen Richtungen ist. Das ganze Problem ist falsch gestellt, solange man unsere Zukunft als (positive oder negative) Beziehung zum Vorhandenen; erschöpfend aufgefaßt glaubt Gerade darin, daß er solchen Begriffsspieiereien gegenüber auf die dunklen, zeugenden, gesunden Tiefen der Volksseele verweist und in ihnen die Bürgschaften der lebendigen Zukunft sieht, scheint mir die große Bedeutung! Birnbaums zu liegen. * BERL LOCKER I Mau hat oft von Birnbaums Tragik gesprochen uifd Grund und Wesen derselben zu deuten versucht Einmal glaubte man die Tragik darin zu finden, daß Birnbaum immer ein Acher, ein Anderer, sein müsse, daß er Gedanken schaffe^ die ihn zum Ketzer stempeln, um sie dann, wenn die anderen sich diese Gedanken zu eigen gemacht haben, gegen neue auszutauschen. Die Tragik bestehe also in der Unbeständigkeit seines Wesens, in seiner „Inkonsequenz", in seiner Neigung, Werke zu schaffen, um sie im nächsten Moment zu zerstören.