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Die Freistatt · 1914-06-30 · Heft 3 (30.6.1914) · p. 133

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 3 (30.6.1914)
Article
Golus-Umformung
Date
1914-06-30
Page
133 (sequence 2)
Language
German
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lieber Birnbaum 133 In beiden Fällen — beim richtig verstandenen Zionismus, wie bei Erkenntnis von Birnbaums innerstem Wesen — handelt es sich gar nicht um „Ja" oder „Nein", sondern um das Postulat einer „Umformung des Golus". Nicht um eine Begriffs-Disjunktion, sondern um Wirklichkeit. Ein großes Ideal steht den national fühlenden Männern vor Augen: Das Ideal des gesunden, in seiner Eigenart voll ausgebildeten Volkes. Dieses lebendige reiche Ideal durch das Koordinatensystem „Golusverneinung" oder „lolusbejahung", durch den. bloßen rohen Vergleich mit einem Anders-Sein beschreiben wollen, ist ein ärmlicher, von vornherein zum Scheitern bestimmter Versuch. Die blühende Fülle der jüdischen Zukunft wird jedenfalls durch positive Merkmale abzuschildern sein, durch eine Beziehung auf sich selbst und auf die wunderbare Seele des Volkes, die erwachen will. Mit einem dürren „Ja" oder „Nein" wird man nicht auskommen. Wo alles von innen heraus nach einer Umformung, nach einer neuen Form drängt, da wird eben diese neue Form zum alleinigen Kennzeichen der rechten Bewegung und nicht die zufällige Aufzeigung von Teilinhalten, welche diese neue Form mit dem vorhergehenden, heutigen Zustand gemein oder nicht gemein hat Wir lieben Birnbaum, weil er wesentliche Fähigkeiten der jüdischen Seele, wesentlich nationale Eigentümlichkeiten unseres Volkes mit allem Feuer seines Herzens umfangen und hoch über alle Angriffe hinaus erhoben hat. Er hat — als einer der wenigen Nicht-Verzweifelnden,— wieder auf den Gott unserer Väter gewiesen. Demgegenüber ist es eine Frage von durchaus zweitem Range, ob Birnbaum für die Durchsetzung dieses Gottes dem Golus eine größere oder geringere Wichtigkeit beimißt. — Es muß daran festgehalten werden, daß Birnbaum den Golus nicht restlos1 bejaht, daß er ganz im Gegenteil der schärfste Kritiker der „Aufklärung", der Gleichgültigkeit, der ostjüdischeu Assimitanten- Intelligenz usw. ist. Auch Birnbaum will den Golus nicht so, wie er jetzt ist, weiterbestehen lassen; er will vielmehr durchaus nur das Gottsuchende, Gottfindende der jüdischen Seele stärken, alles andere vernichten. Auch Birnbaum gibt sich nichder Entwicklung hin, er will nur eine der vielen möglichen Entwicklungen!!. — Ebenso unrichtig ist natürlich die Ansicht, daß der Golus nach zionistischer Intention zu verschwinden habe. Es ist niemals .Sache eines starken Volkes gewesen, Positionen aufzugeben! Und der Zionismus, der ein von Palästina aus verjüngtes Judentum will, muß hier im Golus um jede verwitterte Schanze, um jede halbverhungerte Gemeinde, um Kinder und Schule, Turner und Politiker, um

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