Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 3 (30.6.1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-06-30
- Page
- 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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132 Ueber Birnbaum die aus dem Judentum von heute nicht wegzudenken ist. Dies nicht nur wegen der Fülle von tiefsten Gedanken und reichen Wirkungen/ die ihm zu danken sind, sondern vor allem des- * halb, weil er durch sein innerstes Wesen dazu bestimmt istt in seinem Schicksal an dem Orundgebrechen des Heutigen Judentums zu leiden: an einer Problematik, Sein stürmisches Herz, sein ruheloser Geist streben nach dem Frieden eines ungebrochenen Sems, sie finden es aber im Judentum von heute nicht. Vielleicht sucht Birnbaum aber doch noch einmal in Palästina nach den Ansätzen einer Entwicklung, die nichts Problematisches mehr an sich hat Vielleicht! wird dort sein unruhiges Herz Frieden finden und sein suchender Geist, anstatt sich an Problematik zu quälen, die es ja auch m Palastina gibt, die Ruhe, uns das große Werk, das er so oft. versprach und zu dem er nie Muße fand, zu schenken. Nichts Besseres kajrm ein Zionist an dem Tage wünschen, an dem Nathan Birnbaum sein fünfzigstes Lebensjahr vollendet (Jlidische Rundschau vom .1, Mal 1914 ) * MAX BROD: Golus-Umformung Die Inkonsequenzen eines großen Mannes aufzuspüren, ist leicht. Noch leichter, diese Inkonsequenzen in Jubüäutusstimrnunf/ einfach als Vorzug einer parteilosen, unabhängigen Seele zu lobpreisen, mit dem handlich-mystischen Schablonenwort „Persönlichkeit" zuzudecken. Dorniger, aber auch wesentlicher* scheint es mir; der wahrhaft persönlichen Konsequenz eines Führers durch das Dickicht scheinbarer" Inkonsequenzen nachzugehen und das Gefundene allen Mängeln menschlicher Begriffsbildung zum Trotz dennoch ausdrücken zu wollen. Bei Nathan Birnbaum liegt allerdings die innerliche Zusammengehörigkeit seiner sprunghaftesten Gedankengänge so klar zutage, daß sie vielleicht; nur durch einen Zufall noch nicht ausgesprochen worden ist An seinen Namenn knüpft sich das Schlagwort der „Golus- Bcjahuug", im Gegensatz zur zionistischen „Golus-Verneinung^". Vielleicht ist er nicht unschuldig an dieser irreführenden Terminologie. Aber sieht man wirklich nicht ein» daß irrt Grunde seine Schriften ebensowenig die durchgängige Bejahung des Golus wünschen, wje der Zionismus, richtig aufgefaßt, zum Golus nur das negierende Verhältnis hat?