Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 2 (28.5.1914)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1914-05-28
- Page
- 74 (sequence 3)
- Language
- German
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74 lieber Birnbaum gulatives Prinzip, die Selbstbeschränkung der Zielfaewußtheit. In Mathias Acher ist die Kraft und Schwäche des historischen Judentums zu einer bisher in ihrer Vollständigkeit vielleicht nie erreichten Verkörperung gelangt. Der titanische Tatendrang, der ungezähmte Ansturm nach allen Richtungen des nationalen und sozialen Werdens und Sollens, das ungebändigte „Wollen des Unmöglichen". Und dabei — der völlige Mangel an Oekonomie im Tun. Das gleichzeitige Weilen in sämtlichen Stockwerken des inneren und äußeren Lebens. Das antriebtötende w Erleben des Nahesten und Fernsten. Das lahmlegende Schauen des Gewesenen — Seienden — Kommenden. Das Vorempfinden des Werdenden. Nichts Jüdisches ist ihm fremd . . . Allem Jüdischen steht er fern ... * Dr. HUGO BERGMANN Die Mehrzahl unter den intellektuellen Zionisten des Westens ahnen — in glücklicher Unschuld Palästina und die hebräische Kultur bloß im Programme habend — nicht, welche Fülle von bedrängenden, beängstigenden Problemen sich vor ihnen auftun wird, wenn sie einmal mit diesem Programm Ernst machen, Iwenn sie Europa mit Palästina vertauschen oder aus der großen, reich bewegten, unendlich vielfältigen geistigen Welt eines Siebzigmillionenvolkes eintreten werden in die kleine, arme, vier Ellen breite Welt des Judentums. Solange man das Judentum in deutscher Sprache pflegen kann und dabei in der deutschen Kultur weiter lebt, ist man niur bereichert worden. Das farbenvolle geistige Sein ist noch um eine Nuance vermehrt. Eine Nuance, mehr ist es ja doch nicht, was wir inhaltlich aus dem Judentum heraus bisher zu unserer übrigen Kultur hinzugefügt haben. Aber wenn wir uns selbst ernst nehmen wollen, dann darf es hierbei nicht bleiben. Man hat so viel gehöhnt und geschimpft über jenen philanthropischen Zionismus, der Palästina für die „armen, gedrückten Glaubensgenossen" haben möchte; aber der Zionismus der westjüdischen Intelligenz ist auch nicht viel mehr als so eine Art geistiger Philanthropie. Die hebräische Kultur soll für die anderen, von den anderen geschaffen werden; sie selbst aber steht all dem ferne.* Merkwürdig genug: Die jüdische' F