Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 2 (28.5.1914)
- Article
- Jüdisches Wesen und jüdisches Leben
- Date
- 1914-05-28
- Page
- 70 (sequence 5)
- Language
- German
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Berl Locker, Der Wahlrechtsraub in Galizicn 7 den Willen aller Nationen in den deutschen Kataster hineingedrängt worden. Auch gegen den Willen der Deutschen, welche diese unnatürliche Verbindung schon bei den ersten Wahlen um ein Mandat — zugunsten der Juden gebracht hat. Aber damit haben wir schon den wesentlichen Unterschied angedeutet, der trotz aller äußerlichen Aehnlichkeit zwischen Galizien und der Bukowina in diesem Belange vorhanden ist. In der Bukowina hegt im Grunde keine Nation Assimilationsaspirationen in bezug auf die Juden. Am allerwenigsten noch die Deutschen, denen die Juden zu ihrem eigenen Schaden angehängt wurden. Niemand sehnt vielleicht dort den jüdischen Kataster mehr herbei, als gerade die Deutschen. Daß den Juden in der Bukowina von der Regierung der eigene Kataster verweigert wurde, geschah nur aus Rücksicht auf den Westen und in erster Linie auf — Galizien. Man wollte eben kein Präjudiz schaffen, das der polnischen Raubpolitik einmal hinderlich sein könnte. Anders in Galizien. Hier bedeutet die Einreihung der Juden in den polnischen Kataster einen gewaltigen Sieg der Assimilationspolitik. Die Zugehörigkeit zur polnischen Nation ist nun gesetzlich festgelegt; von nun an ist gegen uns nicht bloß die politische Macht des Gegners und die Verwaltung, sondern auch das Gesetz. Die Forderung der Anerkennung und Gleichberechtigung der jüdischen Nation ist nunmehr vor allem ein Kampf um die Aenderung eines vorhandenen gesetzlichen Zustandes. Unsere Position ist bedeutend erschwert. Und daß diese gesetzliche Festlegung des nationalen Raubes mit Zustimmung der Ruthenen geschehen ist, erhöht noch ungeheuer die Bedeutung dieses Erfolges der Assimilationspolitik. Wir sind — wenn die Ruthenen diese „Neutralität" wirklich zur dauernden Richtschnur ihrer Stellung zu den Juden machen — isoliert und können auf keine Bundesgenossenschaft rechnen. Ist schon heute unser Kampf um nationale Anerkennung und Gleichberechtigung ein Kampf mit sehr ungleichen Waffen, wie würde erst unsere Position ausschauen, wenn wir ohne irgend welches Verständnis, ohne die Sympathie einigermaßen ausschlaggebender Kreise den Kampf führen müßten gegen eine Koalition von Polen und Ruthenen, die doch vereint so ziemlich, die gesamte wirtschaftliche und politische Macht des Landes repräsentieren! Doch sei dem wie immer. In der Wahlreformfragc war die Beraubung der Juden der erste Punkt, über den Polen und