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Die Freistatt · 1914-04-30 · Heft 1 (30.4.1914) · p. 60

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 1 (30.4.1914)
Article
[Rezension] / Shaban
Date
1914-04-30
Page
60 (sequence 3)
Language
German
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Bücherbesprechungen „Die Laute, die wir von einem Juden beim Beten hören, sind keineswegs hebräische. Es gibt für sie nur einen einzigen Namen: Das sind jüdische8) Laute, dieselben, die wir beim Jüdischsprechen hören/ Die dann folgende Darstellung der Lautverschiebungen oder vielmehr ihrer Resultate, wirft übrigens auf diese Frage kein neues Licht, da der Verfasser die gewöhnliche sogenannte sephardische Aussprache zur Grundlage seiner Untersuchung nimmt Das geht selbstverständlich nicht an, da sie ja in dieser Form in keiner früheren Periode wirklich existierte Es feiilen uns noch genaue und phonetisch einwandfreie historische Untersuchungen über die Aussprache des Hebräischen voa den ältesten bis zu den neuesten Zeiten,4) Als eine den drei erwähnten Autoren gemeinsame Eigenheit möchte ich noch die ziemlich weitgehende Unkenntnis des »polnisch-südlichen* Dialekts hervorheben5), sowie die Bezeichnung des ,li- 3> Jiddische, 4) Wie wenig man davon weiß, dafür bietet die Tatsache ein Beispiel, daß wir den Lautzustand des Hebräischen zur Zeit der Entstehung der Bibel eigentlich nicht kannten. Die wundervoll genaue Vokalisation der Bibel stellt bekanntlich die Phonetik einer viel späteren Zeit dar. 5) Herr Trchemerinski gibt ,trojst* statt .trejst' etcM Herr Wejnger ,düwür* statt »dftwor* etc., Herrn Borochows Bemerkung: n ♦ . . das sächliche Geschlecht der Hauptwörter, das die jüdische Sprache (speziell die ,litauische*) fast gar nicht besitzt" — ist mir unbegreiflich. Es genügt, einen Blick in die volkstümliche (und selbstverständlich auch in die neuere) Literatur, die von ,polnisch-südlichen4 Verfassern herrührt, zu tun und einen Augenblick einem »polnischsüdlich* Sprechenden zuzuhören, um das Neutrum in reichster Fülle zu finden, auch bei Wörtern hebr.-aram. Abkunft, wo es überhaupt kein Neutrum gibt; z. B. düs kol, düs pu:nein, düs bilbl, düs os, dus dor, dus lu:shu etc , iast alle auf -es (rachmunes, ferner batlüines etc.), abweichend vom Deutschen: dus ort, dus lä), etc*; fast alle auf -kejt, -shaft, -yng, -rcsh, -a, ge- (dus jideshkejt, dus klygshaft, dus derlachtyng, dus basheftinesh, düs klinge:ä, düs gelang etc.) usw. Vgl. auch bei der Adjektivflexim: düs chejnewdike jingl, fyn dem chejnewdikn jingl — a chejnewdik jingl, fyn a chejnewdik jingl; a jingl a chejnewdiks usw. tauischen' Dialekts als der jiddischen Schriftsprache. Bei Borochow hat dies sogar die Form einer Forderung — ja spezieil für die Aussprache von Wilna. Diese Ansicht und Forderung muß einem ziemlich sonderbar anmuten. Denn weder gibt es für sie praktische Gründe — im Gegenteil, wohl mehr als dreiviertel der Jiddischsprechenden haben »polnisch-südliche* Autsprache — noch irgendwelche theoretische. Die bisherigen Klassiker des Jiddischen z. B. gehören dem ,polnisch-südlichen' Dialekte an (in der jiddischen Orthographie treten alle diese Unterschiede fast gar nicht hervor), auf dem Theater herrscht er ebenfalls- Daß ihm die meisten, sogar viele „Litauischen*, in ästhetischer Beziehung den Vorzug zusprechen, sei nur nebenher erwähnt. Es ist hier nicht der Ot zu einer näheren, auch auf Einzelheiten eingehenden Erörterung. Die hier gegebene Besprechung konnte die Gegenstände nur streifen, und der übrige Inhalt des „Rinkes" kann nur noch kurz erwähnt werden* Er enthält fast durchwegs literarhistorische und -kritische Artikel, oft von großem Interesse und gut gegeschrieben6). Hervorgehoben seien die Studie Sch. Nigers über die passive und aktive Rolle der Frau in der älteren jiddischen Literatur, die Kindheitserinnerungen Dinesons, Ben-Amis Darstellung des Menschen Mendele und die vernichtende, für den Osten vollkommen berechtigte Kritik Bal-Dimjens an der Literaturgeschichte von Pines Zu verzeichnen sind ferner zwei Volkslieder- Sammlungen mit 15! Liedern (bei der ersten fehlt die Angabe, wo siegesammelt wurden). Abgeschlossen wird der „PinkesK von einer ebenso gründlich als fleißig gearbeiteten Bibliographie Borochows über die jiddische und jüdischdeutsche Sprachwissenschaft, die für den jüdischen Sprachforscher von größter Wichtigkeit ist. Shaban, 6) Ein genaues Inhaltsverzeichnis befindet sich auf S> 540 der „Freistatt1*. Verantwortlich für die Schriftleitung; F. M. Kaufmann, Berlin-Steglitz. — Verlag der Freistatt Eschweiler (Rhld.) — Druck von J, Dostall, Eschweiler*

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