Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- So abboniert man bei uns.
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 38 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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38 Dr. Ch. Katzenelson, So abonniert man bei uns fragt dann der Herausgeber die Abonnenten. Die meisten würdigen ihn überhaupt keiner Antwort, und einige wenige teilen kurz und einfach mit: „Wir haben Ihre Zeitung überhaupt nie bestellt und haben für diese auch weiterhin keinen Bedarf". — Solche Früchte also trägt die Bemühung der verehrlichen Agitatoren, die die Leute ihrer Stadt ohne deren Willen und Einverständnis, sondern nur nach eigenem Gutdünken mit Abonnements auf hebräische Zeitungen versorgen wollen. Die meisten Abonnenten wieder schreiben der Administration, daß sie die Zeitung in Doppelexemplaren erhalten, und fügen dann noch einige „warme Worte" hinzu über die „schöne Ordnung", die in einer hebräischen Zeitung herrscht. Bleibt der Administrator erstaunt stehen, schlägt in den Büchern nach und findet klipp und klar: diese Abonnenten sind zweimal verzeichnet worden. Warum? Es ist auch diesmal nicht verwunderlich. Die Sache ist einfach. Es gibt in den großen Städten manchmal zwei oder mehrere Leute, die sich mit Literaturverbreitung befassen, und jeder einzelne übersieht dann ein Abonnentenverzeichnis nach der bereits oben geschilderten Kombination, und so kommt es, daß X, dem es „ansteht" zu abonnieren, und Y, der gewiß abonnieren wird, in beiden Verzeichnissen zu finden ist, weshalb er auch zwei Exemplare erhält. Also forschte der Administrator nach der Ursache, der Irrtum ist klar, und ein bitteres Lächeln ruht auf seinen Lippen, und auch er gibt es jetzt zu, daß in den hebräischen Zeitungen eine „schöne Ordnung herrscht". (Es folgt im Original eine anschauliche Schilderung der bis an die Grenze des Tragikomischen gehenden Mißstände, die sich beim „Eintreiben" der auf solche Weise erzwungenen Abonnements das Jahr hindurch ergeben. „Die meisten Abonnenten betrachten die Abonnementsgebühr nicht als Schuld, sondern als Spende, und eine solche hat doch keinen bestimmten Zahlungstermin? Niemand beeilt sich eine solche sofort zu erlegen. An viele Abonnenten wagen es die Verschleißer nicht, mit ernsten Forderungen heranzutreten, weil sie ja ohne ihr Wissen „abonniert haben" und leicht zur Antwort bekommen können —' wie es immer geschieht: „Wer bat dich darum?" — Wir übergehen die Einzelheiten der sich oft zu seltsamer Drastik steigernden Darstellung und lassen den Schluß des Aufsatzes folgen. Die Redaktion.) Was sind die Folgen? Im Laufe des ganzen Jahres sind die Herausgeber und Administratoren gezwungen, in jeder möglichen Weise herumzuspekulieren, um die Zeitung regelmäßig erscheinen zu lasser. — und nicht immer gelingt es ihnen. Im Laufe des ganzen Jahres sind die Herausgeber gezwungen, die Verschleißer zu überlisten, um ihnen die schuldigen Beträge zu entlocken —