Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 2 (1914)
- Issue
- Heft 1 (30.4.1914)
- Article
- Der jüdische Weltschmerz
- Date
- 1914-04-30
- Page
- 35 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Ch. Katzenelson, So abonniert man bei uns 35 und in Ehren leben, und Israel nur als ein ewiger Wanderer' durch alle Lande zieht, dann folgt daraus, daß jene aus historischen Gründen in Ehren und in Frieden leben müssen — und wii nur als ewige Wanderer? Wie wird ihm nun eine solche Logik gefallen? . . . Nün wird man weiter sagen: „Die Ursache unseres Sonnenunterganges ist einfach: wir hatten eine Sonne an einem ganz bestimmten Orte, nun wir uns entfernten, bleibt ihr Antlitz verhüllt. Wir müssen also zu diesem Orte zurückkehren." Bei Gott! wie einfach sie das machen?! Mit anderen Worten: wir verließen unser Land nur deswegen, weil wir Lust bekamen, eine kleine Spazierfahrt ins Exil zu machen, und wollen jetzt umkehren — denn wer hält uns auf? Und die Sache ist ja so einfach, so selbstverständlich?! Kann man dem noch skeptisch gegenüberstehen? ... Dann wieder: „Wenn man Befürchtungen schon Raum gibt, so kann man doch für kein Volk sichere Gewähr leisten, denn wer kann das Morgen vorausbestimmen." — Aber dieses Beispiel hinkt. Alle Völker bewohnen doch ihr eigenes Land und erweitern nur ihren Besitz. Sie sind mit ihrem Boden verwachsen, und wozu denn sollen sie sich von ihm losreißen und in die Fremde ziehen? Anders aber Israel, dem seine Lage in dieser Form kleine Existenz zusichern kann, das trachten muß, sich neue Möglichkeiten in der Welt zu schaffen und Kraft für den Kampf zu sammeln. Was Wunder denn, wenn wir uns manchmal beängstigten Herzens selbst fragen: besitzen wir in Wirklichkeit Kraft genug, um den Kampf aufzunehmen? Und wo ist sie, diese Kraft? . . . Wird man antworten: „kein Grund zu Befürchtungen. Man wird sich vom Himmel über uns erbarmen"! Ich bin im Zweifel, ob man darin Trost finden kann, und ob dies unsere Quat verscheuchen wird? ... (Schluß folgt.) So abonniert man bei uns. Von Dr. Ch. Katzenelson Jeder weiß, daß die Abonnentenzahl unserer hebräischen Zeitungen eine sehr beschränkte ist. Es ist ein offenes Geheimnis, daß unsere Zeitungen nur wie durch ein Wunder bestehen bleiben, die einen, weil sie verschiedene Subventionen