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Die Freistatt · 1914-04-30 · Heft 1 (30.4.1914) · p. 27

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 1 (30.4.1914)
Article
Der jüdische Weltschmerz
Date
1914-04-30
Page
27 (sequence 2)
Language
German
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Seh. I. Hurwitz, Der jüdische Weltschmerz 27 t -nde müde und kraftlos. Stand da und blickte nach allen Seiten. Ks wandte seinen Blick zur Wüste, zu jener großen und fürchterlichen Oede, die es durchschritt, und ward über sich elbst erstaunt: Diese Riesenkraft, die es auf seinem langen Wege verschwendete, wofür gab es sie hin? Warum und zu welchem Zweckel? Es blickte in die Welt Gottes — blickte betroffen und fragte aus Neid und Schmerz: Diese Welt, die Gott schuf, für wen ist sie da? Warum und wozu ward sie geschaffen? Wer sind jene „auserwählten Sterblichen", die würdig schienen, in ihr lustwandeln zu dürfen und ihre Helle auszukosten? Was nun weiter tun? Sollen wir diesen abgesonderten Weg fortsetzen, fortsetzen unter Zähneknirrschen und mit einem I I erzen voll Galle und Protest gegen die ganze Welt, die im Abgrunde ihrer Sünden versinkt", weiterkämpfen mit der Umgebung, die sich wider uns erhebt, und diesen ungebahnten Weg dennoch weitergehen — oder unser Glück auf die Probe stellen und einen neuen Pfad suchen, auf dem wir vielleicht Uuhe finden? Frage des Seins oder Nichtseins unserer Nation ist vielen von uns schon keine ethische Frage mehr, keine Frage von Wahrheit und Trug, von Gut und Böse, von Schön und Häßlich, sondern lediglich eine Frage der Richtung, eine Frage der seelischen Richtung je;des einzelnen in unserm Volke, jedes einzelnen nach seiner geistigen Erziehung und seinem kulturellen Range. s gab noch kejne Periode in Israel, in der sich diese Angelegenheit so sehr als Problem u(nd mit einer solch tiefen Bitterkeit aufgepflanzt hätte, wie jetzt in unsern Tage^i***) Wie sehr man sich bemühen möchte sie zu ersticken, manchmal mit einer Art optimistischer Philosophasterei und manchmal mit gemachtem Lächeln, teils mit einer kraftlosen Wut und teils mit der Hinterlist eines Straußes, imm!er wieder drängt sie sich durch, klimmt empor aus den geheimsten Tiefen der Seele und macht stjimm das Brausen und den Lärm in unserer jüdischen Welt mit all nnrs derart billigen Opportunismus, sondern Unzulänglichkeiten, die sich in \rbcit selbst vorfinden. Denn hier ist ein individuelles Sichelendfühlen i i i i t i Dinge hineingetragen, objektiviert worden. Unter allen Umständen — dann, wenn sich in ihr die eigenwillige, großgestaltende und pathetische des Künstlers kundgibt, die nichts verteidigen, niemanden überzeugen sondern sich äußern muß, notwendig und erschütternd — eine bedenkliche er Auseinandersetzung. Erst recht, wenn sie von Einern trockenen, sentii. :den Rationalisten geübt wird und wenig Anlaß bleibt, sich an eigenartig nlichem zu erfreuen; im Gegenteil wird durch die unmögliche Art ihrer lsmäßig betriebenen Soziologik der Widerspruch selbst des willigen Lesers i die meisten tatsächlichen Feststellungen von Zeile zu Zeile mehr geweckt, Siehe „Heusid* IV, Buch. Artikelserie „Ueber das Judentum und seine nft *

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