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Die Freistatt · 1914-04-30 · Heft 1 (30.4.1914) · p. 14

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Journal
Die Freistatt
Volume
2 (1914)
Issue
Heft 1 (30.4.1914)
Article
Der Hebraismus und die Reaktion
Date
1914-04-30
Page
14 (sequence 7)
Language
German
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1 14 Bai Dimien, Der Hebraismus und die Reaktion bezwingbare nationale und lebendige Kraft von den schwächlichen Kundgebungen der „Sehnsucht" nach Hebräisch zu unterscheiden. Und sie versteht sich auch auf die Ibrith-o-Russith-ParoIe; weiß, wie ungefährlich ihr erster dekorativer hebräischer Teil über dem bärenstarken Russisch ist. So hat sie allen Grund, sich übeir die helidischen, kühnen Helfer zu freuen, die sie in ihrem Kampf gegen die Volkssprache im innern jüdischen Lager vorfand. Heute sind bei uns Zionismus und Hebraismus die ersehnte Friedensstätte für alle an der Gegenwart Verzweifelnden, für alleT die kein inneres starkes Verhältnis zum lebendigen Volk und seiner Kultur gewinnen konnten. Hebräisch ist eine respek-* table Sache} — und das beste daran, man braucht es gar nicht selbst zu kennen. — Mit Jiddisch ist es anders. Jiddisch fordert den ganzen Menschen samt seiner Innenwelt; es fordert Absage ans Russische, beständiges Leben in jiddischer Sprache und Schrift, und es fordert die jüdischle Schule und die jüdische Familie. Das ist dem Bourgeois ein viel zu anstrengendes Bekenntnis. Herr Klausner sagt es ja: Russisch, Polnisch, Deutsch usw. — das ist das Geschäft Und der jüdische Spießer ist darum ein flammender Hebraist; denn seine Umgangssprache ist das Berditschewer Russisch: kein jiddisches Wort entweiht seine Lippen, Seine Kinder erzieht er in fremden Kulturen und gibt fromme Spenden für die Ideale, die ihn der eigenen starken Tat entheben; mit einem Mal wird er voll der „Sehnsucht" i nach innerer Einheit und läßt sich von den Herren Klaus ner-Glücksohn seinen echten Nationalismus mit tiefsinnigen Redensarten bestätigen, — Mit Jiddisch kann man solchen ästhetischen Selbstbetrug nicht treiben. Entweder ist man wirklich jiddisch, im Reden und im Denken, in der Familie, im Alltag wie gegen alle Welt — oder man ist es nicM. Wie sehr auch die Hebraisten das Jiddische anschwärzen, das eine wird niemand von ihnen behaupten: daß eine Losung „Jiddisch oder Russisch*4 jemals ausgegeben worden wäre. Mögen also die Herren ihren heldischen Kampf gegen die Volkskultur fortsetzen — möge ihnen die reaktionäre Macht noch mehr entgegenkommen! Mögen sie in 70 Sprachen ihre „Sehnsucht" nach Hebräisch in die Welt hinaustrompeten! Und noch mehr Pech und Schwefel gegen den verhaßten „Jargon" schütten, der ja „weder Gott noch Geschäft" ist. Im Land ist es finster das Volk ist geknechtet und stöhnt in seinen Nöten. Das ist die Zeit wo der volle Geldsack herrscht und phantastische Träume wie Sumpfpflanzen aufsteigen — ihre Zeit ist jetzt. Sollen sie sich ihrer papierenen Siege über das Volk und seine

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