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Die Freistatt · 1914-03-31 · Heft 12 (31.3.1914) · p. Seite 733

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 12 (31.3.1914)
Article
Poalezionistika
Date
1914-03-31
Page
Seite 733 (sequence 2)
Language
German
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732 Vom jüdischen Leben und Schaffen 2u der Ehre kommt, in die poalezionistische Parteiiiteratur eingereiht zn werden, das ist mir schwer verständlich. Er selbst wird ein erstauntes Gesicht dazu machen, und sich wundern über die von aller Kritik freie Anspruchslosigkeit des Leitartikelschreibers. Vor IV* Jahren schon widerriet er mir, in sicherlich allzustrenger Selbstkritik, die Lektüre seiner früheren ökonomischen Schriften, und war nur schwer dazu zu bewegen, sie nur auszuleihen. Die jüngsten Untersuchungen Lescinsci können doch im „Neuen Weg* kaum gemeint sein; untergraben sie doch alles, was der älteren poalezionistischen Literiatur unerschütterliche Erkenntnis war, und verneinen (auf weit umfangreicheres Untersuchungsmaterial gestützt als Lockers Zeitungs (! artikel) jede Möglichkeit oder auch nur Erwünschtheit einer Palästinagravitation des Golus — Ich will nun nicht die verwerfliche Methode, die der Leitartikler in einer ungewohnt oberflächlichen Weise auf mich anwendet, fortsetzen; werde also nicht ins Blaue hinein behaupten, mir sei seine eigene Parteiliteratur noch vor dem Aufsatz Krakau weit besser bekannt gewesen als ihm. Des Einen mag er aber versichert sein: als ich sie las, hat mir keinerlei Parteifanatismus, so wie ihm, die Augen zugehalten. Und nach der Lektüre dieses Leitartikels rate ich ihm dringend, sich noch einmal in die Lehre des auch von mir sehr geschätzten Theoretikers Borochow zu begeben. Der wird ihm dann sagen, daß die erste Tugend eines Kritikers ist, zu verstehen, was er kritisiert. Und daß es eine üble Art ist, dem Gegner Gespenster anzudichten, (Vollblutjuden aus Czorftkow, Poalezionistenfresserei etc.) und gegen diese dann einen, für Agitationszwecke zwar sehr eleganten, aber immerin zwecklosen Strauß zu fechten. Und daß er meinen Vorwurf die Theorie der P-Z. sei noch immer wunschhaft und ohne wissenschaftliche Unterlagen, lediglich bekräftigt, wenn seiner Weisheit letzter Schluß in folgenden Banalitäten endet: 9Diese überragende Tatsache (der Bedeutung einer hohen Emigration für die wirtschaftliche und soziale Lage des gesamten üdischen Volkes) erklärt, weshalb wir jüdischen Sozialisten (!! Und der Bund, S.-S J. P. S. etc.?) so zähe an der Schaffung einesjüdischen Emigrationszentrums in Palästina festhalten, das unseren wirtschaftlichem Aufstieg im Golus ermöglichen soll. (Man vergleiche dazu den Schlußteil der Lewinschen Arbeit im vorigen Heft und den Rosenbergschen Aufsatz in der Welt!) Wir müssen einen Platz an der Sonne haben, wo unsere Emigration nicht vor beschränkenden Kongreßbills zurückfluten wird, und wo sie ein normales und allseitig autonomes jüdisches Wirtschaftsleben schaffen soll.* Wie nüchtern und einleuchtend nimmt sich gegenüber dieser platten Phantasmagorie das aus, was der Autor „die utopistischen Auffassungen der bürgerlichen Zionisten* schilt Das hier ist Palästinautopie, die frei von allem Gift besonnener Skepsis aus der Reinkultur sozialistischer Träumereien üppig wuchernd in die Breite schießt Wollte ich dagegen noch einmal meine Ausführungen zum Thema Krakau wiederholen, es nützte nichts. Parteimenschen glauben zwar an Par* teipäpstliches, aber nicht an Argumente. Schon darum — ganz abgesehen von den Problemen selbst — ist es erwünscht, daß die Theoretiker der P.-Z. das Odium solch kompromittierenden Rechthabertums durch eine ernsthafte Auseinandersetzung aus der Welt schaffen. Zu einer solchen wird ihnen die Freistatt jederzeit offen stehen. F. M. K, Ein Sieg. Dr. Hugo Bergmann in Prag ist sicher eine bemerkenswerte Persönlichkeit innerhalb der zionistischen Bewegung. Er hat es immer verteufelt ernst mit seinen Überzeugungen genommen, und es kann sicherlich als ein Beweis außergewöhnlicher Gesinnungsenergie gewertet werden, daß er sich in jahrzehntelanger rastloser, aller Demonstration fernen Arbeit aus den Tiefen westlicher Unwissenheit in jüdischen Dingen zu einer beträchtlichen jüdischen Bildung und zu schriftstellerischer Beherrschung derhebräischenSprache aufgeschwungen hat Und nun hat dieser Mann, einer der Ecksteine der zionistischen Unbe-

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