Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 12 (31.3.1914)
- Article
- Poalezionistika
- Date
- 1914-03-31
- Page
- Seite 732 (sequence 1)
- Language
- German
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Vom jüdischen Leben und Schaffen 731 Vom jüdischen Leben und Schaffen Poalezionistika Wer im Januarheft des „Neuen Wegs* den Leitartikel „Die Prophezeiungen des Herrn Kaufmann* auf dem Gewissen hat, dem kann ich leider nicht zurückkoinplimentieren, „erscheine ein theoretisch veranlagter Mann zu sein*. Mit einer derart gedankenschwachen Arbeit durften diePoale-Zion im Westen niemals debütieren. Denn bei ihrer neuen Zeitschrift kommt es ihnen doch darauf an, gerade durch hervorragende geistige Leistung ihrer Partei jenen Respekt zu erzwingen, den man ihrer geringen organisatorischen Macht noch immer versagt. Jener Leitartikel erweckte aber eine viel zu ungünstige und sicher unter der Tatsächlichkeit bleibende Vorstellung vom Niveau poalezionistischer Publizistik. — Noch mehr bedauere ich die von mir aufgerollten Probleme, Verdienten sie wirklich die Mißhandlung, nicht einmal wajrgenommen und durchdacht, sondern kurzerhand und mittels einer verwerflichen Dialektik abgetan zu werden? Mir scheint, was ich in meinem Aufsatz „Krakau* (Novemberheft der Freistatt) aufdeckte, das sind Brüchigkeiten in der Ideologie der P-Z, um deren Reparatur sie schwerlich herumkommen. Und kein ernstzunehmender Theoretiker der P-Z wird es mir abstreiten, daß über diese Dinge und anknüpfend an meine Ausführungen eine Diskussion nicht nur möglich, sondern im Interesse der erschütterten theoretischen Situation durchaus notwendig war, und sehr entscheidende Resultate versprach. Mein Kritiker war anderer, einer sehr bequemen Ansicht. Hätte er es wenigstens offen heraus gesagt, ihm scheine ein ernsthaftes Eingehen auf derart komplizierte und nicht auf den ersten Hieb bezwingbare Probleme wenig angebracht für die erste Nummer einer neuen Zeitschrift, die doch ein siegeswisses, von der Theorie nicht angegrautes Gesicht aufweisen müsse, — ich würde wenig dagegen sagen. Wie er sich aber auf meine Kosten aus der Affäre zu .ziehen sucht, das verdient unter allen Umständen den Pranger. Er zitiert aus meinem Aufsatz folgende Stelle: „So ist denn von poalezionistischer Seite aus jedes Bemühen dem willkürlichen Palästinaismus wissenschaftliche Unterlagen zu geben, unterblieben. Ihre theoretische Arbeit hat sich niemals auf einen dieser Punkte konzentriert, nichts wesentliches über die Eignung Palästinas, nur verneinendes über die Palästinagravitation des Golus aus gesagt.' Und er fährt fort: „Unser strenger Kritiker macht es sich offenbar bequem, indem er die Existenz alles dessen leugnet, was ihm unbekannt geblieben ist. Hätte er die ausführlichen grundlegenden Arbeiten von Boruchow, Sor, Odim u. a. gelesen und die ökonomischem Untersuchungen der „Ica" Lestschinsky u. a. studiert, wäre er nie zu dieser kühnen Behauptung gelangt". Und dann: „Man wird uns verzeihen, wenn wir eine „wissenschaftliche* Untersuchung, die ausschliesslich auf einigen, wenn auch guten Zeitungsartikeln des Gen Locker im „Jüdischen Arbeiter, und auf persönlichen Eindrücken von den Verhandlungen der IV Weltkonferenz in Krakau basiert, nicht ernst nehmen können*. Weiter geht er also auf meine Ausführungen nicht ein, sondern liest mir ein Privatissimum, in dem es schauerlich von all den Druckfehlern wimmelt, die ich im Aufsatz „Krakau* der poalezionistischen Theorie vorgeworfen hatte. — Nun werden es mir die Herren Borochow, Sor und Odim gern bestätigen, daß sie in der Tat nichts wesentliches über die Eignung Palästinas ausgesagt haben; in ihren Broschüren — ausführliche, grundlegende Arbeiten nennt der Leitartikelschreiber diese im WilnaerHammerverlag erschienenen Kopekenbändchen — verrät es keine Stelle, sie seien in Palästina gewesen oder für Siedlungsfragen irgendwie kompetent. Was ich darin z. Z, an abstrakten Schlüssen über die Tendenz und die Möglichkeit einer Palästinagravitation des Golus vorfand, das ist doch längst von der Wirklichkeit und den jüngsten Arbeiten poalezionistischer (!) Theoretiker überholt und widerlegt. Wie aber Leszinszki