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Die Freistatt · 1914-03-31 · Heft 12 (31.3.1914) · p. Seite 730

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 12 (31.3.1914)
Article
Die Reise Benjamins des Dritten
Date
1914-03-31
Page
Seite 730 (sequence 6)
Language
German
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Jiddische Dichtung 729 oft sieht man, wie sich aus kleinen Ursachen Großes, sehr Großes entwickelt. Daß der Bauer Weizen und Korn säte, daß der Müller sie mahlte, daß ein Teil davon in die Brennerei kam und zu Schnaps wurde, und daß ein wenig vom Mehl in die Hände Gittels der Wirtin kam, die es gähren ließ, dann knetete, rollte und Knisches 0 daraus bereitete, ferner, daß die Phönizier vor tausenden Jahren die Herstellung des Glases erfanden, woraus Becher und Gläser wurden, — aus allen diesen kleinen Ursachen entstanden bei uns in vielen Städten jene seltsamen Gemeindeführer, jene sonderlich berünmten tüchtigen Leute, Es ist möglich, daß in Benjamin der Funke zu einem Forschungsreisenden lag. Aber dieser Funke wäre erloschen, hätten ihn die Ursachen und Geschichten jener Zeit nicht angefacht. Und wäre er selbst nicht ganz erloschen, so wäre er doch ohne diese Ursachen so schwach geblieben, daß aus Benjamin ein Wasserführer oder höchstens ein Fuhrmann geworden wäre. Ich traf in meinem Leben sehr viel Fuhrleute und Kutscher, die wahrlich dasselbe Talent zum Forschungsreisenden hatten wie jene, die heute unter den Juden herumwandern. Aber nicht darauf will ich hinaus. Seit damals pflegte sich Benjamin mit großem Eifer in die Reisen, die Rabbe Bar Bar Chune auf dem Meer und in der Wüste unternommen hatte, zu vertiefen. Später bekam er auch das Buch „Der Danite Eldod" in die Hand, das Buch „Die Reisen Benjamins*, der vor siebenhundert Jahren bis ans Ende der Welt gedrungen war, das Buch „Preis Jerusalems* mit Anhang und das Buch „Schatten der Ewigkeit", das auf sieben kleinen Blättern alle sieben Wissenschaften enthält und wundersame und erstaunliche Dinge von der ganzen Welt und ihren sonderbaren Geschöpfen erzählt. Diese Bücher Öffneten seine Augen und machten ihn zu einem vollständig anderen Menschen. „Die wunderschönen Geschichten dort — sagt Benjamin in seinem Buche — begeisterten mich gar sehr. Ach, ach! pflegte ich oft voll Entzücken auszurufen — ließe mich doch Gott wenigstens ein Hundertstel davon mit meinen eigenen Augen sehen! Meine Phantasie trug mich weit, weit hinweg." Seit damals wurde es ihm in Tunejadewke schon zu eng, er beschloß, es um jeden Preis zu verlassen, wie ein Küchlein, das sich aus dem Ei herauszupicken beginnt und in Gottes Welt hinauskriecht. (Salomo Birnbaum.) 1) Art Strudel, gefallt mit Heidengraupenbrei

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