Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 12 (31.3.1914)
- Article
- Das rote Heft
- Date
- 1914-03-31
- Page
- Seite 714 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- OCR quality
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Arnold Zweig, Cinema 713 wissen. Um nur ein Beispiel zu erwähnen, habe ich in dem zweiten Aufsatze (Januarheft) zum erstenmal einen detaillierten Versucli gesehen, den gegenwärtigen Gesamtwert der jüdischen Kolonien festzustellen. Dieser Gesamtwert erreicht zwar kaum zwei Drittel meiner eigenen Schätzungen. Aber die hier angegebenen 50 Millionen Francs kommen der Wahrheit sicher näher als die Schätzung auf 300 Millionen, die von berufenster zionistischer Seite in aller Öffentlichkeit verlautbart wird. Im übrigen: Wenn die Schätzung des Wertes auf 50 Millionen stimmen sollte, und wenn die Gesamtsumme der Kosten im Betrage von 80 bis 85 Millionen ebenfalls stimmen sollte (diese ist eher zu klein geschätzt), so scheint es mir klar, daß nicht viel Jahre zu vergehen brauchen, um das jetzige Manko zu überwinden. Wir haben eben doch nach allem „wertloses Land in Valeur gesetzt", und lange bevor wir Durchschnittswerte anderer Gebiete als Norm zu setzen brauchen, wird der Wert unserer Kolonien die hineingesteckten Gelder weitaus übersteigen. Cinema Novelle von Arnold Zweig Fünf Minuten nach Acht trabte Benno Bremm, Lehrling der Buchhandlung Schirich, über den rot beglänzten Schnee der Geschäftsstraße, fröstelnd und vor Ermüdung steif, aber einen verloren glücklichen Ausdruck in den Augen und um den Mund. Er schien nicht bei der Sache, denn er grüßte seinen ehemaligen Geschichtslehrer erst, als er fast ganz an ihm vorbeigeganger war, und doch blieb dieser Herr der einzige, vor dem er noch und aus freien Stücken den Hut zog, weil nur sein Unterricht dem ehemaligen Realschüler etwas Lebendiges gegeben hatte: Friedrich der Große, wundervoll! und Bonaparte . . . weite Felder voll von Gefallenen, von Sterbenden, Kanonen umgestürzt und zerschmettertes Gerät — und auf jagendem Rappen darüber hin Einer: „Vive PEmpereur!" Und wiederum der König mit dem harten Gesicht, auf der Trommel sitzend nicht weit von den Gefallenen Kollins . . . Dies liebte der Sekundaner Bremm. Seitdem hatte ihn das Leben etwas härter gepackt . . ♦ Er wurde rot und grüßte zwei unerwachsene Mädchen, aber sie dankten kaum, und er fand das in der Ordnung, schwermütigen Herzens. Warum bemerkte er