Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 12 (31.3.1914)
- Article
- Die Judenfrage in Österreich u. ihre Zukunft
- Date
- 1914-03-31
- Page
- Seite 700 (sequence 2)
- Language
- German
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Benzion Rubstein, Die Judenfrage in Oesterreich usw. 699 glaubt wohl sehr an das Polentum der offiziell polnisch sprechenden Juden!) —, dazu wird es nicht kommen. Wenn man aber berücksichtigt, daß gleichzeitig mit der polnischen Einwanderung eine starke ruthenische Auswanderung stattfindet, so klingt die Annahme nicht übertrieben, Ostgalizien könnte durch die Verringerung der ruthenischen Mehrheit den ruthenischen Charakter verlieren, Steiermark: Auch hier geht die Binnenwanderung mit den Sprachverschiebungen parallel. Die Hauptzuwanderung ins deutsche Gebiet besteht aus slowenischen Elementen (57 000). Auch hier sind viele deutsche Gebiete in nationaler Gefahr, besonders die drei Stadtbezirke Cilli, Marburg und Pettau. Die Slawisierung dieser Städte wird noch durch den Umstand begünstigt, daß die eingeborenen deutschen Elemente auswandern. Die Zuwanderung der Slowenen ins deutsche Gebiet von Steiermark kommt nicht nur aus den slowenischen Bezirken desselben Landes, sondern auch aus dem benachbarten Krain. In Steiermark lebten während der letzten Volkszählung 17861 Krainer, davon 9 516, also mehr als die Hälfte, in den deutschen Bezirken, und 1409 in Cilli, Marburg und Pettau. Auch unter den Deutschen herrscht das Bestreben, sich in fremde Gebiete auszubreiten, ist aber nur schwach, und wie in ganz Oesterreich sind die Deutschen auch hier die seßhaftesten Elemente. — Die Sprachverschiebungen in der Steiermark sind sehr bedeutend. Nicht selten fallen die Gemeinden in zwei getrennte nationale Teile auseinander, was besonders in größeren Gemeinden und Städten zu bemerken ist.*) „Zahlreich sind die deutschen Sprachinseln, die das ganze Gebiet von Radkersberg bis Windischgrätz und Raun durchsetzen. Sie haben fast alle deutschen Charakter; es sind immer die größten Orte, die eine deutsche Majorität aufweisen. Alle Städte Untersteiermarks mit einziger Ausnahme Luttenburgs, das zur Hälfte deutsch ist, sind es in ihrer Mehrheit, ebenso ein großer Teil der Märkte. An diese größeren Orte schließen sich manchmal auch noch einige deutsche Umgebungsgemeinden an, meistens aber sind die einzelnen Sprachinseln von äußerst geringem Umfang und auf eine Gemeinde oder Ortschaft beschränkt."**) Wir müssen uns erinnern, daß es sich hier um nationale Minderheiten handelt, die auf viel höherer Kulturstufe als die umgebende Majorität stehen. Außerdem wohnen sie in den größeren Gemeinden, also in der Nähe der Eisenbahnen, was ihnen einen regen Verkehr und eine Verbindung mit den Hauptzentren ihrer Kultur ermöglicht. *) Siehe Ergebnisse der Volkszählung vom Jahre 1910, I. Bd., I. Heft„ S. 6L **) ibid. 410,