Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 11 (20.2.1914)
- Article
- Die jüdische Schule in Amerika
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 669 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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668 Vom jüdischen Leben und Schaffen Lehrer und die jüdische Schule verwandelt sich in eine public school. Die aber kann jetzt dem jüdischen Kinde, das den ganzen Tag mit jüdischem Lernen in jüdischer Atmosphäre verbracht hat, nicht mehr so gefährlich werden. Aus den beiden oben beschriebenen Gattungen läßt sich erkennen, welchem Ziele sich die jüdische Schule in Amerika nähert: der Vereinigung der jüdischen und der public school auf der Grundlage der jüdischen Sprache. scu. Polono-Hebraismus. Eine Intelligenz, die sich jedes intimeren Zusammenhanges mit den Volksmassen, in denen sie wirken soll, begibt, muß früher oder später geistig verkrüppeln und seelisch verkommen. Und da die Geschichte recht boshaft ist beim Schaffen ihrer Karrikatureu, so läßt sie dann obendrein eine solche Intelligenz sich für die Elite der Nation, für den wichtigsten Träger nationaler Gedanken und Ideale, für den Schöpfer der nationalen Zukunft und Führer der Massen betrachten. Dieser Gedankengang verleitet aber die jeweilige KarrikatuMntelligenz, Betätigung zu suchen, das Leben gestalten und beeinflussen zu wollen, Politik zu machen, Und so wächst sich die Karrikatur zur nationalen und sozialen Gefahr aus. Ein Schulbeispiel hierfür bietet die zionistische Intelligenz Sie vor allem ist schuld daran, daß der Kampf der jüdischen Massen Galiziens um ihre nationaleGleichberechtigung und Würde bisher so wenig von Erfolg begleitet war, Sie hat den so einfachen und kerngesunden Gedanken der jüdischen Volkspolitik derart verwässert und verhunzt, daß nunmehr jahrelange An* strengung notwendig sein wird, um die unglücklichen Folgen ihrer „Arbeit* zu beseitigen. Nach innen hat sie das jüdische große und kleine Bürgertum verwirrt und mit ihren verkrüppelten, selbstmörderischen Anschauungen über jüdisches Können und jüdische Zukunft im Lande angesteckt; nach außen hat diese Intelligenz durch ihr plumpes, inhaltsloses Gebaren den jüdischen Nationalgedanken lächerlich gemacht. Vielleicht wird manchem diese Anklage übertrieben und parteiisch erscheinen. Ich gestatte mir deshalb hier einige Stellen aus einem im offiziellen Parteiorgan der galizischen Zionisten, im Lemberger „Tagblat* erschienenen Artikel des Zionisten Moischt Wiesenfeld zu zitieren. Herr Wiesenfeld schreibt unter anderem: „. . . Wir hatten die Konferenz im Jahre 1910 und wollten natürlich bei dieser Gelegenheit der Regierung die Existenz der jüdischen Nationalität dokumentieren. Doch da waren wir verwirrt Die einen forderten, man möge Hebräisch als Umgangssprache angeben, die anderen — und diese bildeten die Mehrheit — sahen ein, daß dies unpraktisch sei, und daß die Lüge in die Augen springen werde. Man entschloß sich also Jiddisch als Umgangssprache anzugeben. Doch war dies eine geringere Lüge f Bedienen wir uns der jiddischen Sprache? Anerkennen wir selber das Jiddische? Die Konsequenz unserer Angaben müßte doch sein, daß die Regierung die jiddische Sprache anerkenne. Stellen wir uns nun für einen Moment vor, die Regierung habe die jiddische Sprache wirklich anerkannt und gehe infolgedessen ernsthaft daran, sie amtlich zuzulasen und jiddische Schulen zu errichten. Wären wir damit zufrieden? Würden wir unsere eigenen Kinder in diese Schulen schicken? Ich glaube, die zionistischen Führer und Politiker würden vor dem bloßen Gedanken einer solchen Möglichkeit zurückschrecken. Und wenn dem nun so ist, welchen Sinn hatte dann die ganze Aktion für Jiddisch, wenn wir es nicht ernst genommen haben. Wozu haben wir Hunderte und Tausende von Juden den Schikanierungen der Behörden, arme Leute Geldstrafen ausgesetzt, wenn wir selbst die Anerkennung der Volkssprache nicht einmal wünschen? So muß auch jede andere Aktion auf diesem Gebiete aussehen, weil wir keine festen Prinzipien haben, kein bestimmtes Programm, weil unsere Taten nicht mit unseren Forderungen übereinstimmen, weil wir keinen festen Plan, kein bestimmtes System für unsere Arbeit