Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 11 (20.2.1914)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Palästina III
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 650 (sequence 13)
- Language
- German
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Benzion Rubstein, Die Judenfrage usw, 649 nisationsgesellschaften bearbeiten werden — also kleine Kolonien mit individuellen oder kooperativen Betrieben. Und so schlimm die Arbeitsbedingungen dort auch sind — bei klug angelegter Wirtschaft, fleißiger Arbeit und besonders, wenn entwickeltere Arbeitsmethoden zur Anwendung kommen, wird es sich in diesen Kolonien auch ohne Almosen leben lassen. Es ist aber wünschenswert, daß die jüdische Gesellschaft besser über das, was von Palästina in Wahrheit zu erwarten ist, in Kenntnis gesetzt werde, und daß ihr wahrheitsgemäße, nicht aufgeputzte Auskunft und genaue Zahlen über die Kosten und die wahrscheinlichen Erträge der einzelnen Wirtschaften gemacht werden. Sonst werden immer weiter Menschen, denen es am genügenden Kapital fehlt, hinüberfahren und sich in wirtschaftliches Unglück stürzen. Die Judenfrage in Österreich und ihre Zukunft Von Benzion Rubstein Die Judenfrage in Oesterreich, wie auch in allen anderen Ländern, ist nicht eine bloße Minoritätenfrage par excellence, sondern von ganz besonderer Art. Außer den Juden gibt es in Oesterreich noch zwei Minoritätenvölker, d. h. Völker, die in keinem der historischen österreichischen Länder die Mehrheit haben — die Ruthenen und die Rumänen. Doch existiert ein wichtigen Unterschied zwischen ihnen und den Juden. Jene wohnen konzentriert (die Ruthenen in der Bukowina und in Galizien, die Rumänen bloß in der Bukowina) und bilden dort, wo sie wohnen, die überwiegende Majorität (wenn sie auch mit Rücksicht auf die ganze Provinz in der Minderzahl sind) und sind so bis zu einem gewissen Grade territoriell. Die Juden aber sind über eine ganze Reihe von Ländern verstreut (in sieben, nämlich Galizien, der Bukowina, Niederösterreich, Böhmen, Mähren, Schlesien und Triest besitzen sie kompakte Bevölkerungen) und dabei so übers Land verteilt, daß es bei größter Mühe und Kunst sogar in den Ländern mit der dichtesten jüdischen Bevölkerung nicht gelingen würde, territorielle Kreise mit jüdischer Mehrheit herauszuschneiden. Die Juden sind ein exterritoriales Volk, das auf der ganzen Welt nicht seinesgleichen hat* Die Judenfrage als exterritoriale Minoritätenfrage ist nur auf dem Boden der national-personalen Autonomie zu lösen. Eine solche Lösung der Judenfrage erfordert aber eine radikale Aenderung im ganzen Bau der heutigen Gesellschaftsordnung, Es ist daher klar wie der Tag, daß wir Juden die