Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 11 (20.2.1914)
- Article
- Die jüdische Kolonisation in Palästina III
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 645 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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644 I, Lewin, Die jüdische Kolonisation in Palästina III also nur, wenn eine Anzahl Wirtschaften es gemeinsam tun. Und auch hierfür kommt höchstens die Mähmaschine in Betracht; denn um die Zeit des Mähens ist fast immer günstiges Wetten Anders mit Sä- und Dreschmaschinen* In einer Kolonie, in der man gemeinsam Sämaschinen anschaffte, verwendet man sie gar nicht mehr. Und zwar aus folgendem Grund: Der Kolonist muß (wie im Augustheft geschildert wurde) den rechten Moment zwischen den Regenfällen zum Säen abwarten* Es kommt hierbei auf einen Tag an. Wer an solchem Tag die Maschine hat, der kann auf gute Ernte rechnen, während alle anderen Teilhaber im Nachteil sind. Die gemeinsame Anschaffung kommt also dann nur einem zugute. — Aehnlich ist es mit Dreschmaschinen. Augenblicklich ist das Dreschen die unappetitlichste Verrichtung in der palästinensischen Wirtschaft. Zwei, drei Monate lang haben die Kolonisten samt ihren Arbeitstieren damit zu tun; die Luft ist voll Staub, der Augen und Lungen ruiniert; die ganze Zeit muß die Scheuer bewacht werden, und das vermehrt noch die Unkosten* Eine Dreschmaschine würde in zwei Tagen mit der ganzen Ernte fertig werden, und dem Kolonisten bliebe Zeit für Sommersaat und andere notwendige Arbeit Die Maschinen sind aber sehr kostspielig, und der gemeinsamen Anschaffung stehen dieselben Hindernisse im Wege, die die gemeinsame Sämaschine unrentabel machen. Außerdem stört noch dies: Die Kolonisten dürfen nicht eher einfahren, bis die Regierung den Zehnten abgemessen hat. Durch kooperative Bewirtschaftung ließe sich diesen und anderen Mißhelligkeiten der Einzelwirtschaft aus dem Wege gehen, und durch Zentralisierung der Bauten und Gerätschaften usw. würden viele Unkosten in Wegfall kommen. Wenn man in den wenigen bisher bestehenden Kooperativen der Arbeit zuschaut, merkt man bald, wie erheblich sich deren Produktivität gegenüber der der Einzelwirtschaften steigert In derselben Zeit, als die unter der Aufsicht von Verwaltern arbeitenden Farmen mit großen Defiziten arbeiteten, erzielte die Daganjaer Gruppe — bisher noch die am besten organisierte — einen kleinen Reingewinn. Leider ist es aber unmöglich, in den schon bestehenden Kolonien die Kooperative einzuführen. Sie können eine Aufbesserung ihrer Lage nur dann erwarten, wenn ihnen die Ica Pflanzungen anlegt * Wir haben die Faktoren, unter deren Einfluß die palästinensische Landwirtschaft steht, ausführlich geschildert Um aber ein anschaulicheres Bild vom Zustand der Kolonisation zu geben, sollen hier die Wirtschaftsberechnungen einiger Wirtschaftstypen palästinensischer Kolonisation folgen: