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Die Freistatt · 1914-02-20 · Heft 11 (20.2.1914) · p. Seite 629

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 11 (20.2.1914)
Article
Zur Frage: Religion oder Ethik
Date
1914-02-20
Page
Seite 629 (sequence 2)
Language
German
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628 Dr. N. Birnbaum: Zur Frage: Religion oder Ethik? des zionistischen Kongresbureaus eine große Tätigkeit entfaltet habe, um dann nach dem zweiten Kongresse in plötzlicher Metamorphose aus einem heißen Vorkämpfer ein Gegner des Zionismus und ein Wortführer des materialistischen Nationalismus? zu werden. In diesem Beispiel stimmt schon das Tatsächliche nicht ganz. Es ist wohl wahr, daß ich schon vor Herzl und Nordau ein zionistisches Programm mit aller Kraft vertrat, aber es ist nicht richtig, daß ich noch auf den ersten zwei Kongressen* besonders aber als ständiger Sekretär des Kongreßbureaus eine große Tätigkeit entfaltete. Auf dem ersten Kongresse hatte ich freilich noch ein Referat — Die kulturelle Begründung des Zionismus —, auf dem zwreiten verhielt ich mich aber schon ganz passiv und griff in keiner Weise in den Gang der Dinge ein. Damals hatte ich nämlich schon mein Sekretariatsjahr hinter mir, ein Jahr, das mit großer Tätigkeit nicht ausgefüllt war und nicht ausgefüllt sein konnte, weil man mir nicht den geringsten eigenen Spielraum ließ, mich von jeder Ingerenz auf die Dinge ausschaltete, und ich gar nichts zu tun hatte, als für die Erledigung der ohne meine Mitwirkung zustandegekommenen Beschlüsse der Parteileitung Sorge zu tragen. Natürlich aber berühren mich diese Ungenauigkeiten im Tatsächlichen weit weniger als die Behauptung, daß ich nach dem zweiten Kongresse in plötzlicher Metamorphose aus einem heißen Vorkämpfer ein Gegner des Zionismus und ein Wortführer des materialistischen Nationalismus geworden bin. Diese Behauptung wäre ja auch dann nicht richtig, wenn L. St—g an jener Zeitpunkt gedacht hätte, wo jedem in einer Wandlung Begriffenen die Tatsache der vollzogenen Aenderung plötzlich zu ganz klarem Bewußtsein kommt Doch läge dann nur eine irrige Zeitbestimmung vor, und die Sache wäre auch weiter nicht schlimm. Offenbar schwebte ihm nun aber eine ganz andere Plötzlichkeit, ein wirklich plötzlicher Umfall, ein plötzliches, unvorbereitetes, jede innere Vorgeschichte entbehrendes* seelisch unmotiviertes Herüber von einem Gesinnungskreise in den anderen vor. Und dagegen muß ich denn doch zur Abwehr folgendes bemerken: Selbst in meiner zionistischesten Zeit — viele Jahre vor dem „Judenstaat"- und Kongreß-Zionismus — war ich einer der ersten, wenn nicht der erste Vorkämpfer einer nationalen Politik in den Ländern des Golus (praktisch in Galizien). Später, in den dem ersten und zweiten Kongreß vorangehenden Jahren, trat mein Wegstreben von der engzionistischen Auffassung immer deutlicher hervor. Und auch nach dem zweiten Kongreß bin ich nicht urplötzlich mit gegen den Zionismus gerichteten Be-

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