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Die Freistatt · 1914-02-20 · Heft 11 (20.2.1914) · p. Seite 613

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 11 (20.2.1914)
Article
Alljudentum und Zionismus
Date
1914-02-20
Page
Seite 613 (sequence 2)
Language
German
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612 F. M, Kaufmann, Alljudentum und Zionismus Hcheren) auch die Wirkung haben, daß sich seiner „Assimilanten* mit Erfolg bedienen und die Zionisten zu geistvollerem Argumentieren zwingen, als sie es bisher übten. Seit wann aber ist mir die zionistische Partei eine derart teure und den nationalen Gedanken repräsentierende Sache, daß ich ihr und der Bequemlichkeit ihrer Publizistik zu liebe darauf verzichten soll, Erkenntnisse vor dem Totschweigen und der Persiflage zu schützen, von deren werbender und siegreicher Kraft ich mir mehr verspreche, als von dem Gezänk der Agitatoren hüben und drüben? Soll ich es etwa der zionistischen Agitation überlassen, die „Assimilanten* über alljüdische Dinge aufzuklären? Mir genügen die grauenhaften Verheerungen, die die zionistische Publizistik im Denken der Westjuden angerichtet hat, die beständigen, fast berufsmäßigen Herabsetzungen des ostjüdischen Volkes; mir genügen die Früchte von l1/» Jahrzehnten zionistischer Agitation, dank der die schon immer schlummernde Abneigung dieser westjüdischen Kreise gegen ostjüdisches Volkstum und ostjüdische Gegenwart ungeahnt stark aufgefacht worden ist. Mir scheint demnach, ich habe nur allzu berechtigten Anlaß, das zionistische Zerrbild ostjüdischer Gegenwart gerade dort, wo es am leichtgläubigsten aufgenommen wurde, zu zertrümmern; damit wird ein lästiges Hemmnis beseitigt, das sich immer wieder der bald einsetzenden Werbung für eine alljüdische Organisation entgegenstemmen würde. Davon abgesehen, war es nötig, eine Karrikierung des alljüdischen Gedankens zu berichtigen, die sich in nicht einmal geistvoller Weise, die Redaktion der ,WeltÄ auf der Tribüne des XI. Kongresses zuschulden kommen ließ. Bekanntlich hat damals die offizielle zionistische Pressekorrespondenz, die mit der Redaktion der „Welt" ziemlich identisch war, einen gedankentiefen Witz von dem „Alljudentum, das zusieht, wie allerorten sich die Judentümer weiter entwickeln" überallhin kolportiert. Und ich habe mich nicht einmal über die Waffen entrüstet, die damals die Redaktion der „Welt* der assimilatorischen Presse gegen den alljüdischen Gedanken zur Verfügung stellte. So wenig, wie ich jetzt über das Moralischtun der „Welt" erstaunt bin. Derartiges gehört nun einmal zum Parteimetier, und ich kann die Motive dazu verstehen; besser jedenfalls, als die Redaktion der „Welt* den Sinn meiner Aufsätze zu erfassen pflegt. — Da der Leserkreis der .Freistatt" sich mit dem der K-C. Blätter nicht schneidet, halte ich es für lohnend, den ganzen Aufsatz wiederzugeben, und mich nicht auf jene zentralen Stellen, die von. der Tendenz der Golusentwicktung handeln, zu beschränken. * Eine dogmenkritische Untersuchung des Zionismus, die, alles Beiwerk beiseite schiebend, die Hauptkristallisationspunkte auf-

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