Mannheim
Compact Memory

Die Freistatt · 1914-01-20 · Heft 10 (20.1.1914) · p. Seite 604

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 10 (20.1.1914)
Article
Dr. Curt Nawratzki, "Die jüdische Kolonisation in Palästina", München 1913 bei Reinhardt [Rezension]
Date
1914-01-20
Page
Seite 604 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3119801-3119802-3119811-3121275--1116-3121359
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bücherbesprechungen 603 beigegeben sind, diese zu dem Optimismus der Berichte gar nicht stimmen wollen. (Vergl. die Tabelle S- 133). Geschieht es etwa aus abergläubischer Furcht, daß man auf den Kongressen so wenig wie in den Berichten der zionistischen Presse von diesem paradiesischen Zustand erfährt? Nach Nawratzkis Schilderungen müßte man es glauben — er weiß nur von einer glänzenden Lage der Kolonisation, Für Rosch-Pino z. B gibt er als Durchschnittsernteertrag der Kolonisten 1250 Frs, als Durchschnittsausgabe pro Familie 800—1000 Frs an. Für Ekroin gibt er die durchschnittliche Einnahme der Familie auf 3162 Frs. an bei eigener Wohnung, eigener Milch-, Gemüse- und Geflügelwirtschaft Also ein rechtes Dorado! Leider muß man dazu bemerken, daß hiervon demselben elenden Ekroin die Rede ist, das heute durch Einführung von Milchwirtschaften dem völligen wirtschaftlichen Bankrott zu entgehen hofft! Wenn den Ekroinern N's Buch in die Hände fä lt, fürchte ich, daß sie ein verdutztes Gesicht machen werden. Für N. sind aber nicht nur Rosch-Pino und Ekroin, für ihn sind alle Kolonien Gan-Edens. Er hat auch den armen jüdischen Arbeitern dort seine Beachtung geschenkt. Zuerst belehrt er sie ein wenig, und dann kommt er ihnen als Historiker Mir ist es aber unbegreiflich, daß N, sich nicht scheut, die Geschichte der palästinensischen Arbeiter zu schreiben, ohne die einzige Quelle, die dafür in Betracht kommt, die hebräische Literatur, zu kennen! — Das ganze Buch macht einen durchaus unwissenschaftlichen Eindruck, und setzt, da abgesehen von einer summarischen Aufzählung benutzter Arbeiten Quellenangaben nicht zu finden sind, beim Leser Vertrauen zu des Autors Sorgfalt und Genauigkeit und eine Leichtgläubigkeit voraus, die es keineswegs verdient. Hier eine Probe für die Art, wie N. Quellen benutzt. Es heißt dort S. 299: Nach der Ica-Statistik gab es in Rußland 3<U jüdische Dörfer mit 1072 t Familien zu 68959 Personen, davon besaßen Land 58881*) Personen in einer Fläche von 100107 Deßjatinen. Außerhalb dieser Kolonien waren beschäftigt 11897 in der Gärtnerei; 7185 in der Milchwirtschaft, 1764 in Tabakplantagen, 665 im Weinbau, 177 in der Bienenzucht., Die Statistik enthält aber wirklich folgende Angaben: 296 jüdische Dörfer mit 13 059 Familien zu 75 887 Personen (auß Nichtkolonisten) 51139 leben tatsächlich von der Land- Wirtschaft und besitzen 113030 Deßjatinen. Außerhalb dieser Kolonien waren beschäftigt 11299 in der Gärtnerei, 7454 in der Milchwirtschaft, 1695 in Tabakplantagen, 780 im Weinbau, 200 in der Bienenzucht. Ich kann zu keinem anderen Resume gelangen, als daß ein grimmiger Feind Herrn N. geraten hat, diese „wissenschaftliche Untersuchung* drucken zu lassen. Benzion Rubstein, (Aus dem jiddischen Manuskript) „Cukunft* Zamlbych, nym. 1 Vor mir liegt das erste Sammelbuch „Zukunft", das vor kurzem in Warschau erschien, ein mageres Büchlein mit einer Reihe dürrer Artikel, die das Alte sehr schlecht wiederholen und nicht das geringste Neue bringen. Das Buch ist von einer Gruppe herausgegeben, die auf dem Boden der selig entschlafenen Theorie der Zionisten- Sozialisten (S. S ) über die wirtschaftliche und soziale Degeneration der Juden im „Golus" steht Es zeigt am besten, wie unfruchtbar die S S.-Idee ♦)DieSarnmelbücher der Ica (I B. dS. XI) enthalten wohl einmal die Zahl 58o^i; dort handelt es sich aber um 208 jüdische edlungen, davon 176 Kolonien), die von den Agronomen der Ica besucht wurden;;defett Bevölkerung wird auf 53881 Pe aen angegeben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.