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Die Freistatt · 1914-01-20 · Heft 10 (20.1.1914) · p. Seite 603

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 10 (20.1.1914)
Article
Dr. Curt Nawratzki, "Die jüdische Kolonisation in Palästina", München 1913 bei Reinhardt [Rezension]
Date
1914-01-20
Page
Seite 603 (sequence 2)
Language
German
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602 Bücherbesprechungen So versichert er uns S 13, die russischen Juden würden sich über das ganze Reich zerstreut haben, wenn daran nicht die Aufenthaltsbegrenzungen gehindert hätten. Man könnte Herrn N fragen, warum sich denn in der österreichischen Judenheit, die doch derartigen Begrenzungen nicht unterliegt, geradezu umgekehrt zunehmende Konzentration deutlich erkennen läßt? Weitere Fragen ihm hierüber zu stellen, ist wohl zwecklos, denn Herr N kümmert sich wenig um Tatsachen. Nach Rußland — Galizien. Mag sein, daß N die Quellen über die russischen Juden, die ja größtenteils russisch und jiddisch vorliegen, unverständlich und darum kaum zugänglich waren Über diegalizischen Juden existiert aber doch eine gar nicht unbeträchtliche deutsche Literatur. In Brünn z. B. erscheint eine statistische Monatsschrift, die eine Menge Material darüber enthält. Sehr viel statistisches Rohmaterial enthalten zudem die Arbeiten der österreichischen statistischen Zentralkommission Außerdem sind die Veröffentlichungen des galizischen statistischen Büros mit deutschen Hinweisen versehen, wodurch auch dieses Material dem polnisch nicht verstellenden deutschen Forscher zugänglich wird. Es ist unentschuldbar, daß N. auch hier lediglich aus Ruppin und der „Zeitsch. f. Stat u. Dem d Jud a kompiliert und von dem erwähnten Material keinerlei Kenntnis hat Er hätte viele interessante Dinge darin gefunden und würde dann manches dem Leser nicht zugemutet haben. Er hätte dann beispielsweise erfahren, daß im letzten Jahrzehnt die jüdische Auswanderung aus Oalizien absolut stark abgenommen hat, während zur gleichen Zeit die polnische und ruthen'sche Emigration bedeutend stieg; daß die jüdische Auswanderung aus Westgalizien etwas geringer war als die polnische, und daß dort in den letzten Jahren der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung zugenommen hat*) Kurz, Herr N. würde sich dann S. 17—20 und einen *) S. hierüber nieine Arbeit i Die jüdische Auswanderung aus Galizien während der letzten 30 Jahre. Die jiddische Welt, Wilna 1913, X und XL Teil des Kapitels „Die Juden in der Landwirtschaft" geschenkt haben. Nicht besser steht es um den Teil, der von Palästina handelt. Über die geographische Lage, KHma« Bevölkerung, Flora, Fauna etc. erfährt man nichts Neues. Das ist nicht einmal sehr geschickt aus allerlei gedrucktem Material zusammengestellt, längst nicht so klar und übersichtlich, wie es der Leser in Trietschens Handbuch vorfindet- Und erst der historische Teil! Herr N soll mir nicht böse sein, wenn ich darüber nur lächelnd reden kann. Er beginnt die Geschichte der jüdischen Kolonisation in Palästina — mit dem Jahr 70 unserer Zeitrechnung, referiert, nicht sonderlich geschickt, palästinensische Geschichte nach Grätz, verrät uns aber mit keinem Wort, was das alles mit heutiger Kolonisationsgeschichte zu tun hat Von der Geschichte des neuen Jischew hingegen weiß Herr N. bitter wenig, das wirkt angesichts der reichen Literatur, die schon geraume Zeit vorliegl, direkt ärgerlich. Mit drei Worten fertigt N. die Periode der Administration des Barons ab Genau so oberflächlich kommt die Ica weg. Deren Kampf mit den Kolonisten hat doch eine nicht unbeträchtliche Literatur hervorgebracht — für Herrn N. existiert sie nicht. Das einzige, was man Herrn N zuerkennen darf, ist sein ungewöhnlicher Sitzfleiß. Mit großer Mühe hat er die wirtschaftliche Lage und die Geschichte der einzelnen Kolonien darzustellen versucht. Hier hätte er dem künftigen Schreiber palästinensischer Geschichte nützliche Vorarbeit leisten können. Leider ist aber auch dieser Teil vollständig mißlungen. Er bringt z B. statistisches Material über die letzt* jährigen Einnahmen der Kolonisten, gibt aber, was doch unerläßlich ist, keine Quellen an. Wenn er das, was ihm von den Verwaltern der Ica an Angaben mitgeteilt wurde, für ungetrübte Wahrheit nahm oder gar es nicht im Einzelnen nachprüfte, dann verliert diese ganze Art von Statistik ihren Wert Es ist doch sehr verdächtig, daß bei jeder Kolonie der Bericht in reinem Optimismus endet. Und noch mehr verdächtig ist dies, daß dort, wo den Berichten Tabellen

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