Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 10 (20.1.1914)
- Article
- Die jiddische Orthographie
- Date
- 1914-01-20
- Page
- Seite 592 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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S. Birnbaum, Die jiddische Orthographie 591 in ihrer ursprünglichen Orthographie geschrieben, die deshalb hier soweit als nötig erwähnt werden muß. Die hebräische Schrift hatte eigentlich nur Konsonanten. Die später eingeführten Vokalzeichen, die im großen und ganzen nur geringe Verwendung finden, stehen unter oder über (auch seitlich von) dem vorausgehenden Konsonanten. In der hier gebrauchten Schreibung soll nur der Konsonant der ,betonten* Silbe mit dem Vokal versehen werden, und zwar so weit als möglich durch die früher angewandten Zeichen bezeichnet. Als Beispiel diene „mÄ ö : ö ma, p; mo, $ -= £ nie oder me, (oder ö) mi, tt> (oder Ö) my, iö(oderti) " moj; ferner NB und J?P » ma, Alle übrigen Silben haben entweder e oder sind vokallos. Wo der Vokal der betonten Silbe ein anderer als im hebräischen Zusammenhange (s. o.) ist, wird hier der jiddische geschrieben, worüber die des Hebräischen Kundigen nicht zu erschrecken gebeten werden. Z. B. "Dp. steht statt (Ist ,beontes' 1 nicht, oj* sondern ,o* auszusprechen, so ist das am Fehlen des Punktes (1) und in der Transkription ersichtlich) In der jiddischen Orthographie gibt es wie in jeder andern (namentlich nicht „offiziell geregelten") gewisse Schwankungen, In solchen hallen soll hier von verschiedenen in Gebrauch stehenden Formen die richtigere, d. h. phonetisch berechtigte, gewählt werden. Bei einer andern Art von Schwankungen, die auf einem Unterschiede in den Dialekten beruhen4), wurde die Form bald dem einen, bald dem andern Dialekte entnommen. Meist wurde die richtige oder die gewählte Form nur in der Transkription kenntlich gemacht5). Übrigens sind alle diese Schwankungen ziemlich nebensächliche Erscheinungen. Die im Vorstehenden erläuterte Orthographie unterscheidet sich von der allgemein üblichen nur durch den bestimmten Gebrauch ganz weniger, übrigens auch dort vorhandener, diakritischer Pünktchen. Hoffentlich werden diese niemandem ein Dorn im Auge sein, namentlich, wenn hier nochmals wiederholt wird, daß die in der „Freistatt" gebrauchte Wiedergabe und Transkription ausdrücklich für einen speziellen Zweck, —für den Gebrauch von solchen, die eben kein Jiddisch kennen, — bestimmt ist. Leider aber glaube ich, daß dies nc?ch tausendmal wiederholt werden kann, ohne daß die Mißverständnisse, und was viel häufiger vorkommt, die Verdrehungen und Fälschungen ein Ende nehmen, für die man unsere im Grunde doch wahrlich nicht so wesentliche Transkription zum Ausgangspunkt nimmt. (Siehe auch S. 56 und S. 412). 4) Es gibt im Jiddischen eine Schriftsprache im eigentlichen Wortsinn, d. h. eine gemeinsame, „neutrale" Orthographie bei Verschiedenheit der Aussprache, aber keine gemeinsame» „gebildete* Aussprache. Allerdings gehören ungefähr 75 Proz. aller Jiddischsprechenden «inem Hauptdialekte, dem „polnisch-südlichen* (oben mit p* und s. bezeichnet, die übrigen dem litauischen*1, 1.) an. Der Hauptunterschied der Dialekte liegt im Vokalismus, der wie leicht zu erkennen, in einem sehr übersichtlichen Zusammenhang steht. 5) Den p. s. Endungen, -ale, -lech, -alech entsprechen 1. -ele, -lach, elach. — s. -erin , »betonter* Silbe ist p, -or-, 1. -ur- (deren, dorch, durch) p« s. -echin, betonter* Silbe ist 1. -ichlechtik, lichtik) etc.