Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (8.12.1913)
- Article
- Flüche - Gott
- Date
- 1913-12-08
- Page
- Seite 531 (sequence 2)
- Language
- German
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530 Verse Wir wurden heimisch in Dir, hießen schluchzend, auf den Knieen liegend Vater Dich, warteten huldigend Dein Lächeln und Zürnen — Und Du stießest uns fort, Dein Ziel zermahlte unser Geknoch zu Staub, Und das Stapfen wilder Bestien trübte unsere Sümpfe auf, Denen aufgescheuchte Bosheiten und Seuchen entstiegen: Denn Du gabst uns nichts: Unserm Forschen — nicht kosmische Fülle, und unserm Tun — nicht Ewigkeitsragen: Das feuerfarbne All feuchtete seicht unser abgehetztes Hirn, Und unserer Hände Schöpfungen zerquetschte der Zeiten Gram. Nun wir in die Grüfte schauen, aus denen unsere Ohnmacht hervorgrinst, Zerstückeln wir das Wappen Deiner unnahbaren Größe und fluchen Dir: Fluch Dir, dem Wahn unserer Eitelkeiten, Fluch! Die feigen Träume der Trägheit, die die Katarakte und vulkanischen Brüche Unserer Gluten verschütteten, brüteten Dich aus! Die magdhaft-hysterischen Illusionen der Trübsal Zerrauften den ekstatischen Stolz unserer lawinenreißenden Neigungen Und erhoben Dich — Vermummten zur zierenden Flagge der Bänglichkeit! Doch unsere neufrohe Ruhe und Feierlichkeit flucht ewig Dir! Fläche — Dem Leben Wir knieen nicht vor Dir, der Du unsere Andachten mißhandelst Und sie in Deine Tümpel zerrst! Wir im Schatten Deines Prunkes Wollenden Wollen Deine Strahlen nicht pflücken — nur in uns gehen und einsam Mit den Wunden unsrer Eigenheiten leben, sie zu Geweben wundersamer Trauer knüpfen, Bis unsre Zellen und Nerven die Entflammtheit eigner Vollendung spiegeln werden: Denn du brichst unsre Schäfte, leitest irr unsre Kräfte. Die Pfänder, die Du in unsre Hände legtest, bergen Deine Macht,