Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (8.12.1913)
- Article
- Flüche - Gott
- Date
- 1913-12-08
- Page
- Seite 530 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/3119801-3119802-3119810-3121107--0977-3121219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Verse 529 Jakob Funkelstein Flüche — Gott Aus der» Höhlen und Hürden, Palästen und lustgehegten Burgen, Aus den Spelunken und Spielhallen und prachtgetäfelten Schloßräumen — Pilgerten wir zu Dir: Den Bewurf der Würde und Bettelei, die porzellanweiß getünchte Armut Und den edelgeformten Schnitt der Hoheit, den geifernden Gischt des Dreisten Und die almosenverschämte Zerlumptheit des Abgewiesenen — legten wir ab. Wie zerfetzte Gewänder, und, allen Arten vermählt, verbrüdert, standen wir vor Dir, Rein wie Reue, ohne irdische Schlacken, ohne Schlammbedeckungen; Hingegeben Deinem sonnigen Wuchs, Deinem wonnewohligen Nimbus, Der auch unseren Dimensionen den Adelumriß opfernden Entsagens lieh: Unserer Früchte freuten wir uns nicht, denn nicht unser — Ausflüsse Deiner Urwirkung waren sie. Unseren tastenden Instinkten legten wir Schlingen, auf daß sie irre gehen, Und unser zündendes Wollen löschten wir mit Laugenkannen der Klösterlichkeit, Die das Werden und Weben unsrer Begierden wie mit raubhungrigen Mäulern verschlang; Die laute Welt besaitete nicht unsere Exaltationen: Du, nur Du zügeltest, geißeltest und wirbeltest sie auf. Und wir flehten: Erleuchte uns! Aus unseren geknickten, abgemähten Wünschen Schlage Funken, daß sie uns Deinen Wunsch aufhellen! Lichte die Dickichte Deiner schroffen Übergänge, zerschneide die Nebelmassen Deines Ungetümen Wechsels und deute uns das Tosen und Branden der Elemente, Das Keimen und Erblühen und Zerschellen der Wollust! Deute das darbende Beharren der Moräste und das jähe Verschwinden Eiferbegnadeter!