Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (8.12.1913)
- Article
- Kultur oder Fetisch?
- Date
- 1913-12-08
- Page
- Seite 509 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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508 Ber Borochow, Zur jüdischen Arbeiterbewegung dieses Vulkansschmieden in dem Schacht des Volkes, Wer taub ist und nicht hören kann, dem ist nicht zu helfen. Wer blind ist oder die neue jüdische Schönheit nicht sehen will, der ist bedauernswert Wer sich aber diesen Tendenzen jüdischer Lebensbejahung entgegenstellt, der wird zur Macht der Finsternis. Und ich bedaure es ernsthaft, daß der Zionismus, der eine Rückkehr zum Judentum sein wollte, durch die Ignorierung der jüdischen Wirklichkeit und besonders durch seinen Antijiddischismus vom Judentum hinwegführt und zu einer erzreaktionären Kraft geworden ist, die der erwachte Volkszorn hinwegfegen kann. Und doch sollte dieses jüdische Schaffen, diese ostjüdische Kultur eine Legende sein. Vielleicht — weil sie östlich und jüdisch und schön wie eine Legende ist. Denn eine Legende ist unser ganzes Leben — ein seelisch geistiges, Golus ist Suprematie des Geistes über die Materie, Wir stellten uns unseren Gott nicht in Stein und nicht in Erz dar und bauten ihm keine Denkmäler. Unser Gott wohnt überall — weil in uns. Wenn wir ihn suchen, finden wir ihn — fern von Tempeln und Palästen — im Herzen. Dieser Gott ist uns Hüter und Führer — er ist der Geist Jisroels. Und der ganze Erdball ist ihm Heimat. Auf dem ganzen Erdenrund feiert unsere Seele ihren Schabbes. Schön waren unsere Wanderjahre — und schön ist unser Golus — Schabbes. — Wir wollen kein „Hawdule" machen. Zur jüdischen Arbeiterbewegung Von Ber Borochow I. Die Exterritorialität der jüdischen Arbeit Wir bereiten eine Reihe Aufsatzfolgen vor, um darzutun, wie sich die Theoretiker der verschiedenen jüdischen Arbeiterparteien mit den Fragen auseinandersetzen, die durch die immense Revolutionierung des ostjüdischen Wirtschaftslebens aufgeworfen worden sind. Es werden sich also hier, sich ablösend, Bundisten, Poale- Zion und eventl. die Theoretiker weiterer Arbeiterbewegungen das Wort nehmen. Ein objektives Bild dieser sozialen Probleme soll also hier nicht gegeben werden, würde auch heute noch unmöglich sein; dafür stehen die Theoretiker (sieht man von einzelnen