Die Freistatt
- Journal
- Die Freistatt
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (8.12.1913)
- Article
- Kultur oder Fetisch?
- Date
- 1913-12-08
- Page
- Seite 501 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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500 A. S. Juris, Kultur oder Fetisch? mal noch äußerlich unter dem Wirklichkeit ist das eine neue, schiedene psychische Situation« reden sein. zionistischen Namen bergen, in von der zionistischen grundver- Von ihr wird jetzt häufiger zu D. R. Das jüdische Leben und seine Probleme sind eigenartiger und andersartiger, als die der anderen Völker; deshalb geht es nicht an, deren Maßstab oder Methoden auf jüdische Fragen anzuwenden, wenn wir nicht zu Absurdem kommen wollen. Unser Leben von den Grundlagen der Umgebung abhängig glauben, ist grober Materialismus und Prokrustesdenken. Wir sind ein Volk — von Grund und Boden losgelöst. Nicht daß wir wurzellos sind; aber unabhängig sind wir von irgend einem Territorium, haben uns nicht zu fürchten, mit ihm zu steigen oder zu fallen. Wir sind eben nicht nur ein i n t e rsondern mehr noch ein überterritoriales Volk. So sind auch unsere Probleme vielfach kompliziert und verschiedenartig, wenn auch in ihrem Grundwesen einheitlich. Die bisherige Behandlung des jüdischen Kulturproblems keuchte unter der Last der Tradition und Geschichte; anderseits sprach sie geradezu jeder historischen Auffassung Hohn. Aber nicht alles, was ist, ist gut und soll sein, nicht alles, was war, ist heilig und muß wiederkehren. Für mich gibt es nur ein Kriterium, welches jenseits von nationalem Gut und Heilig steht: das Kriterium des Wertes — für die Kultur als solche, als ein Ding an sich (abstrakter Wert) und für die Kultur des Volkes (konkreter Wert). Damit ein Wert produktiv sein soll und ein lebendiger Bestandteil der Volkskultur, muß er dem Volke einen Anteil und Genußmöglichkeit bieten. Alles was wertvoll und lebendig, ist Wert für die Kultur des Volkes, und jeder Kulturwert der Nation wird zum Werte der nationalen Kultur. Deshalb ist für mich das jüdische Kulturproblem nicht nur ein jüdisches, sondern auch ein Problem der Kultur für das jüdische Volk. Die Urelemente einer jeden Kultur mögen allgemein-menschliche Werte sein, die Form, die Farbe, die Potenz, der Ton sind national. Ich frage also Auf welchem Wege können wir dem jüdischen Volke am leichtesten Kultur zuführen? Damit ist auch die Antwort gegeben für die Sprachenfrage. Wir hatten einst eine lebendige hebräische Kultur. Wir haben sie noch jetzt, nur ihre Situation ist eine andere: ihre Sprache ist als Volkssprache tot und führt als heilige und Schriftsprache ein Scheindasein. Weil sie das Glück hatte, als erstgeborene in den Zeiten unserer politischen Selbständigkeit zu