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Die Freistatt · 1913-12-08 · Heft 9 (8.12.1913) · p. Seite 500

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 9 (8.12.1913)
Article
Von der inneren Bedeutung des Prophetismus
Date
1913-12-08
Page
Seite 500 (sequence 19)
Language
German
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A, S. Juris, Kultur oder Fetisch? 499 da das Bewußtsein der Disparität zwischen Person und Natur den Lebenskern seines Fühlens und Denkens bildete. Allein dieser Dualismus zwischen Person und Natur hat einen anderen Dualismus zur Folge, und dieser andere liegt schon ganz auf dem Gebiete des Persönlichen. Das besondere Leben der Person nahm das ganze Sinnen und Trachten des Propheten in Anspruch. Nun bildet der persönliche Faktor in der Welt keine einzige Einheit, sondern spaltet sich in eine Menge einzelner Ichheiten, von denen jede an die andere von außen herantritt und diese letztere als fremde betrachtet Vermöge des Persönlichen in uns fühlen wir jedes andere Ich als unserem eigenen Wesen verwandt, vermöge des Natürlichen als — fremd. Es gilt nun diese Schranke, die die Natur zwischen das eigene und das fremde Ich legt, niederzuwerfen und zu überwinden, es gilt einen förmlichen Kampf mit dem natürlichen Faktor aufzunehmen, um dem Persönlichen zum Siege zu verhelfen. Auf diese Ueberwindung war die Tätigkeit der Propheten gerichtet. Daß Gott das Natürliche und Persönliche in einer einzigen Einheit umfaßt — daran hielt allerdings der Prophetismus fest, aber dieser Gedanke konnte auf die Dauer nicht standhalten. Daß aber die Gottheit alle einzelnen Personen in einer einzigen Ichsubstanz umfaßt — diesen Gedanken hat der Prophetismus in der glänzendsten Weise verfochten und durchgeführt und der Nachwelt als festes Erbe hinterlassen. Kultur oder Fetisch**? Von A. S. Juris, Wien Der hier folgende Aufsatz hat mehr als die Bedeutung, die ihm von einer isoliert, lediglich nach dem absoluten Neuen seiner Ergebnisse, ihn beschauenden Schätzung zuerkannt werden mag. Er hat darüber hinaus einen typischen Wert. Die Sprache des Verfassers ist die jiddische, und häufig genug mag man spüren, wie schwer dieser junge Poatezionist den Gedanken in deutsche Formen zwingt Selbst so zuckt aber in diesen bekennenden Sätzen etwas von der tiefaufrüttelnden Erschütterung, die heute das Wollen und das Denken der jungen Intellektuellen des Ostens zur Abkehr vom Westlertum zwingt. Es mag sich das manch- *) Wenn in dieser Untersuchung die Sprachenfrage im Vordergrund steht, so heißt das natürlich nicht, daß sich nur in ihr das jüdische Kulturproblem erschöpft.

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