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Die Freistatt · 1913-11-15 · Heft 8 (15.11.1913) · p. Seite 476

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Journal
Die Freistatt
Volume
1 (1913-1914)
Issue
Heft 8 (15.11.1913)
Article
Entwicklungen
Date
1913-11-15
Page
Seite 476 (sequence 2)
Language
German
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Vom jüdischen Leben und Schaffen 475 spräche* zusammengebracht. Fünf Jahre später war Herr Brainin bereits eine Stufe höher gekommen. Er schreibt (wieder in jüdischer Sprache;: «Mit dem Hasse gegen die jüdische Sprache, gegen die jüdische Literatur ist der hebräischen Literatur gar nicht gedient. * Vorwurfsvoll sagt er: .Und wir sprechen hier" — (in Amerika) — ,von Kultur und Literatur, von Liebe zu der jüdischen Sprache.* „--eigene Literatur, in ihren eigenen Sprachen, Hebräisch und Jüdisch.* Man: denke *Wir* und „Liebe"! Diese Entwicklung eines Zionisten ist eine der irgendwie erklärbaren, seltenen Ausnahmen. Meist nimmt sie aber den umgekehrten Weg Es war noch 1905, in der guten alten Zeit des Zionismus, wo er noch nicht vom Hebraismus militans verschlungen war, da konnte Heinrich Loewe Jiddisch als „nationalen Kulturdialekt* bezeichnen und schreiben: (Jiddisch) »ist die Sprache einer kompakten Masse. , . und kann keineswegs auf künstliche Weise durch das Hebräische verdrängt werden." — .Hier (in Rußland und Polen) kann das Hebräische sich als eine Kultursprache neben dem Jüdisch-deutschen eine achtenswerte Stelle erobern, wird aber immer Schriftsprache bleiben und niemals zu einer Volkssprache emporsteigen können* — „Die jüdischdeutsche Sprache ist dagegen der feste nationale Hort, den die Nation sich wahren muß.* — ,Es war sehr klug von den Anhängern einer bedingungslosen Assimilation, daß sie ihren ganzen Haß und ihre Verachtung gegen die jüdisch-deutsche Mundart richteten, für die sie das Schimpfwort „Jargon* als das geeignete Mittel erkannten, um sie zu diskreditieren.* — »Denn man verstand nicht, daß die jüdische Volkssprache im Osten Europas wohl durch das Russische oder Polnische, nie aber durch das Hebräische verdrängt werden kann.* — .Der Untergang dieser Sprache würde zugleich einen großen Teil nationaler Hoffnungen des Judentums vernichten/ — „— sollte jeder, dem an der Erhaltung und Neubelebung des Hebräischen gelegen ist, dazu beitragen, daß die jüdisch-deutsche Sprache des Makels ledig werde, den man ihr wider Gebühr angeheftet hat.* „--die großen Dichter, deren Werke im Jüdischdeutschen viel unmittelbarer aus dem Herzen quillen, als in dem in Rußland doch immer künstlichen und deshalb doch auch gekünstelten Hebräisch.* — „Das Hebräische und das Jüdischdeutsche schließen sich nicht aus, sondern bedingen sich gegenseitig.* — Aber schon 1910 heißt es, Jüdischdeutsch, Jüdisch-spanisch, Jüdischpersisch* — die berühmte Gleichung t — »sind nur Surrogate, die gefährlich werden, wenn sie selbständigen Wert beanspruchen ** und bis 1912 hat sich in ihm „immer mehr und mehr die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß das Gefäß aller hebräischen Kultur die hebräische Sprache ist* und „die hebräische Sprache allein ist Form und Gefäß aller hebräischenKultur, die einzig und allein der Wegzum jüdischen Kulturleben ist.* Wo soll bei dieser fünffachen Einzigkeit noch etwas für unser armes Jiddisch bleiben? Im Jahre 1905 stellt Dr. A. Coralnik den Satz auf: „Der Jargon (C. spricht insbesondere von der jüdischen Sprache) ist das jüdische Volk*, aus dem man die Anwendung auf das Sprachenproblem sehr leicht machen kann, während er 1908 meint: , (Jargon) ist eine Übergangssprache, die dem Untergang geweiht ist — Es ist eine Bahnhofssprache, keine Sprache des Heims.* — Für Menschen mit Bahnhofsseelen vielleicht ..... Die Jüngeren brauchen nicht mehr viel Entwicklungen durchzumachen. Sie beginnen schon mit Todesprophezeiungen. Also spricht Dr. Hugo Herrmann: »Bis unser Sprachenkampf (Verf. hatte vom griechischen gesprochen) hundert Jahre alt sein wird, werden wir auch die reine Sprache zum Siege führen können. Zum Pessimismus ist kein Anlaß ". , . .Wie, nicht einmal im .Galuth*? Also, am 14. Juli 2011. Freue dich, Tochter Zton! — Wissen möchte ich, wozu denn Herr Herrmann durch Übersetzungen noch selbst zur Unterstützung des Jiddischen beiträgt? Die gleiche naive Oberzeugtheit vom baldigen Untergang des Jiddischen sprach Bialik unter dem schadenfrohen

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